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Parodontitis-Therapie: Was zahlt die Kasse?

Stand:

Ohne Professionelle Zahnreinigung (PZR) beginnen viele Zahnärzte nicht mit einer Parodontitis-Behandlung. Zwar ist die PZR keine verpflichtende Vorbehandlung bei Parodontitis,. aber bishermüssen Patienten bei der Vor- und Nachbehandlung vieles selbst bezahlen. Das ändert sich ab Mitte 2021.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Parodontitis-Behandlung ist aufwendig und langwierig, aber sie beugt Zahnverlust vor.
  • Ab Juli 2021 ist nicht nur die akute Therapie Kassenleistung für gesetzlich Versicherte, sondern auch die Vor- und die Nachbehandlung.
  • Eine spezielle Früherkennungsuntersuchung auf Parodontitis, der Parodontale Screening Index (PSI), ist alle zwei Jahre Kassenleistung.
  • Eine Parodontitis-Therapie muss weiterhin bei der Kasse beantragt werden.
Parodontaler Screening Index (PSI): Messung der Tiefe von Zahntaschen mit einer Messsonde zur Diagnose der Paradontitis
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  • Parodontitis wird durch Bakterien im Zahnbelag (Plaque) verursacht und beginnt mit einer Zahnfleischentzündung. Die Erkrankung tut meist nicht weh, führt aber unbehandelt zu Zahnlockerungen und langfristig zum Zahnverlust.

Was ist eine Parodontitis?

Bei der Parodontitis, früher auch Parodontose genannt, handelt es sich um eine Entzündung des Zahnhalteapparates. Damit sind die Strukturen gemeint, die den Zahn im Kieferknochen verankern wie etwa Zahnfleisch, Wurzelhaut, Zahnzement und Haltefasern im Zahnfach.

Eine Parodontitis wird durch Bakterien in den Zahnbelägen (Plaque) verursacht und beginnt mit einer Zahnfleischentzündung. Die Erkrankung verläuft meist ohne deutliche Schmerzen. Da aber mehrere Millimeter tiefe Zahnfleischtaschen entstehen können, führt sie unbehandelt zu Zahnlockerungen, zu freiliegenden Zahnhälsen und im fortgeschrittenen Stadium zum Zahnverlust. Je früher sie erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Ziel ist es, den Knochenabbau am Zahnhalteapparat möglichst früh zu stoppen.

Was zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen halbjährlich die Kosten für die allgemeine Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt und eine Zahnsteinentfernung pro Jahr. Zudem ist der Parodontale Screening Index (PSI) als Früherkennungs-Untersuchung alle 2 Jahre Kassenleistung. Beim PSI wird mit einer Spezialsonde die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen.

Als behandlungsbedürftig gilt eine Parodontitis ab einer Zahnfleischtaschentiefe von 3,5 Millimetern oder mehr. Damit die gesetzlichen Kassen die Kosten übernehmen, muss vor Behandlungsbeginn ein schriftlicher Antrag gestellt werden. Diesen Heil- und Kostenplan erstellt der Zahnarzt und der Patient reicht ihn zur Prüfung und Genehmigung bei seiner Kasse ein.

In der neuen Richtlinie zur Parodontitisbehandlung ist festgelegt ist, dass Zahnärzte vor der Therapieplanung Stadium und Grad der Erkrankung erheben und Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder Rauchen abklären müssen. Dann folgt ein Aufklärungs- und Therapiegespräch, in dem die weiteren möglichen Schritte besprochen werden. Dabei sollen Patientinnen und Patienten ausdrücklich darauf hingewiesen werden, die Therapie selbst aktiv zu unterstützen, etwa durch gute Mundhygiene zu Hause.

Je nach Schweregrad der Erkrankung sieht die Richtlinie verschiedene Ansätze vor: eine antiinfektiöse Therapie, eine Antibiotikatherapie oder chirurgische Eingriffe. Die Fortschritte in der Therapie und die Mitarbeit der Patientin oder des Patienten müssen überprüft werden.

Die langfristige Nachbehandlung wird „Unterstützende Parodontitistherapie“ (UPT) genannt und erfolgt in regelmäßigen Abständen. Hierbei werden bakterielle Beläge von den Zähnen entfernt, die Zahnfleischtaschen gemessen und bei Bedarf gereinigt. Wichtig ist zudem stets eine Anleitung für die Mundhygiene zu Hause. Die UPT können Versicherte künftig nach Abschluss der aktiven Behandlungsphase zwei Jahre lang in Anspruch nehmen, um den Behandlungserfolg zu sichern - ausgerichtet am individuellen Bedarf. Die Nachsorge kann bei Bedarf verlängert werden, in der Regel um sechs Monate.

Was ist selbst zu bezahlen?

Mit der Änderung entfallen die Privatkosten für die Anleitung  zur richtigen Mundhygiene (GOZ-Ziffer 1000, in  der Regel gut 25 EUR).

Eine professionelle Zahnreinigung kann je nach Schweregrad der Parodontitis eine sinnvolle, aber eben keine verpflichtende Vorbehandlung darstellen. Obwohl die professionelle Zahnreinigung keine Regelleistung der Krankenkasse darstellt, übernehmen viele Kassen mittlerweile zumindest einen Teil der Kosten im Rahmen ihrer Satzungsleistungen.

Privatleistung ist eine Parodontitis-Therapie bei Zähnen, die laut der bisherigen Richtlinie nicht als erhaltungswürdig gelten, wenn z.B. der Knochenabbau schon bei mehr als 75 Prozent liegt.

Tipps für Patienten

  • Eine gründliche Mundhygiene, sowie regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt inklusive der zweijährlichen Parodontitis-Früherkennung (PSI-Index) sind für eine Verhinderung und Früherkennung von Parodontitis ratsam.

  • Fragen Sie aktiv nach dem PSI-Index zur Früherkennung.

  • Sofern Ihr Zahnarzt eine Parodontitis feststellt, lassen Sie sich das Ob und Wie der notwendigen Behandlungsschritte erklären sprechen Sie mit Ihrer Krankenkasse.
     
  • Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) stellt je nach Schweregrad der Parodontitis eine sinnvolle, aber keine verpflichtende Vorbehandlung dar. Sofern Sie sich für diese Art der Vorbehandlung entscheiden, sollten Sie bei der Krankenkasse anfragen, ob diese im Rahmen ihrer freiwilligen Satzungsleistungen die Kosten übernimmt.

  • Achten Sie bei der Behandlungsplanung auf die Qualifikation Ihres Zahnarztes. In Deutschland gibt es nur knapp 250 Fachzahnärzte für Parodontitis. Ähnlich gut qualifiziert, aber ebenso rar sind Zahnärzte mit der Fortbildungsbezeichnung „DGParo-Spezialist für Parodontologie“. Ein „Tätigkeitsschwerpunkt Parodontologie“ ist dagegen wenig aussagekräftig, und den Begriff „Parodontologe“ oder „Spezialist für Parodontologie" darf jeder verwenden, ohne Nachweis spezieller Kenntnisse.

  • Mehr Informationen erhalten Sie auf unserem Portal kostenfalle-zahn.de


Weitere Informationen zur Parodontitis und ihrer Behandlung finden Patienten hier:

Zahnfleischentzündung und Parodontitis

Parodontitis

Ratgeber Zähne