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Zusatzbeitrag der Krankenkasse: Sonderkündigung und Wechsel möglich

Stand:

Erhöht eine gesetzliche Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag oder erhebt ihn erstmalig, haben Versicherte ein Sonderkündigungsrecht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt.
  • Sie können bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrages auch dann Ihr Sonderkündigungsrecht nutzen, wenn Sie noch keine 12 Monate bei ihrer Krankenkasse versichert sind.
  • Die Krankenkassen müssen Ihnen die Erhöhung des Beitrags und das Recht zum Wechsel rechtzeitig ankündigen.
  • Bis zum endgültigen Wechsel müssen Sie allerdings den erhöhten Beitrag zahlen.
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Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenkasse

Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt 2021 bei 14,6 Prozent. Zusätzlich erheben alle Krankenkassen einen Zusatzbeitrag. Für 2021 hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) den durchschnittlichen Zusatzbeitrag von zuvor 1,1 Prozent auf 1,3 Prozent erhöht.

Bei Erhöhung des durchschnittlichen Zusatzbeitrags müssen die einzelnen Krankenkassen nicht zwingend ihren Zusatzbeitrag anheben. Eine Beibehaltung oder Anhebung des Beitrages richtet sich nach der Finanzlage der Krankenkasse. Die Höhe des Zusatzbeitragssatzes regelt jede Krankenkasse individuell in ihrer Satzung.

Eine aktuelle Auflistungen der jeweils gültigen Zusatzbeträge der einzelnen gesetzlichen Krankenkassen finden Sie in der Übersicht des Spitzenverbandes des Bundes der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband).

Arbeitnehmer und Rentner zahlen seit 1. Januar 2019 nur noch die Hälfte des Zusatzbeitrags. Die andere Hälfte übernimmt der Arbeitgeber oder der Träger der Rentenversicherung. Freiwillig versicherte Selbstständige zahlen ihren Beitrag und damit auch den Beitragsanteil aus dem Zusatzbeitragssatz selbst.

Der Zusatzbeitrag wird bei Pflichtversicherten direkt vom Lohn abgeführt. Für Versicherte, die Arbeitslosengeld I oder II, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen, übernimmt der jeweilige Träger den Zusatzbeitrag. Familienmitglieder, die über Eltern oder Ehepartner mitversichert sind, zahlen keinen Zusatzbeitrag.

Muss mich meine Krankenkasse über die Erhöhung des Zusatzbeitrages informieren?

Die meisten Krankenkassen unterrichten ihre Kunden zum Jahreswechsel über die Höhe des Zusatzbeitrags. Einige Kassen ändern den Beitrag aber auch im laufenden Jahr.

Erhöht Ihre Krankenkasse den Zusatzbeitrag, müssen Sie bis spätestens einen Monat vor Ablauf des Monats, für den der Zusatzbeitrag erhöht wird, schriftlich informiert werden - und zwar

  • über die Erhöhung,
  • Ihr Sonderkündigungsrecht,
  • über die Höhe des durchschnittlichen Zusatzbeitrages sowie
  • über die Übersicht des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen zu den Zusatzbeitragssätzen.

Das heißt für Sie: Wird der Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2021 erhoben, muss Sie Ihre Krankenkasse bis spätestens zum 31. Dezember 2020 darüber schriftlich informieren.

Übersteigt der Zusatzbeitragssatz den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 1,3 Prozent für das Jahr 2021, muss die Krankenkasse ihren Versicherten auch erläutern, dass es die Möglichkeit gibt, in eine günstigere Krankenkasse zu wechseln.

Kann ich bei einer Erhöhung des Zusatzbeitrages die Krankenkasse wechseln?

Ja. Wenn die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

Sie können dann zu einer günstigeren Kasse wechseln.

Das Sonderkündigungsrecht bei Erhöhung des Zusatzbeitrages gilt unabhängig von der Dauer Ihrer Mitgliedschaft. Sie können das Sonderkündigungsrecht auch dann ausüben, wenn Sie noch nicht 12 Monate in der Krankenkasse versichert sind.

Ausnahme: Das Sonderkündigungsrecht gilt nicht für freiwillig gesetzlich Versicherte, die einen speziellen Wahltarif zur Absicherung ihres Krankengeldes abgeschlossen haben. Sie können frühestens nach Ablauf der dreijährigen Bindungsfrist kündigen.

Wie kann ich mein Sonderkündigungsrecht ausüben?

Erhalten Sie eine schriftliche Ankündigung eines Zusatzbeitrags, können Sie bis zu dem Ende des Monats kündigen, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wird und die Krankenkasse wechseln.

Seit dem 1. Januar 2021 ist ein einfacherer Kassenwechsel möglich. Wenn Sie Ihr Sonderkündigungsrecht ausüben möchten, müssen Sie seit dem 1. Januar 2021 nur noch Ihren Beitritt bei einer neuen Krankenkasse erklären. Eine persönliche Kündigungserklärung bei der bisherigen Krankenkasse ist nicht mehr erforderlich. Die Kündigungs- und Wechselmodalitäten übernimmt nun die neue Krankenkasse.

Mit dem Beitritt zur neuen Krankenkasse ist der Wechsel allerdings noch nicht direkt vollzogen. Es gilt weiterhin: Die Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende ist einzuhalten.

Das heißt für Sie: Erhebt Ihre Krankenkasse ab 1. Januar 2021 einen Zusatzbeitrag, kann bis zum 31. Januar 2021 gekündigt werden. Unter Einhaltung der Kündigungsfrist ist man dann ab 1. April 2021 bei der gewählten neuen Krankenkasse versichert. Die Mitgliedschaft bei der bisherigen Krankenversicherung endet am 31. März 2021.

Damit die Fristen eingehalten werden können, ist es wichtig, die neue Krankenkasse rechtzeitig auszuwählen.

Und wenn ich beim Sonderkündigungsrecht die Frist verpasse?

Sollten Sie die Frist für das Sonderkündigungsrecht verpassen, können Sie immer noch Ihr normales Kündigungsrecht mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende in Anspruch nehmen – sofern Sie bereits 12 Monate bei Ihrer alten Kasse versichert waren.

Kommt die Krankenkasse ihrer Hinweispflicht zur Erhöhung des Zusatzbeitrages verspätet nach, haben Versicherte dadurch keinen Nachteil. Die Kündigung wird dann so behandelt, als wäre sie rechtzeitig erfolgt.

Muss ich den Zusatzbeitrag bis zum Wechsel bezahlen?

Versicherte, die wegen Erhöhung des Zusatzbeitrags kündigen, müssen den Zusatzbeitrag trotzdem so lange entrichten, bis die Kündigung wirksam wird.

Beispiel: Die Krankenkasse erhebt ab 1. Januar einen Zusatzbeitrag. Wer bis Ende Januar kündigt, ist ab April bei einer anderen Krankenkasse versichert. Für die Monate Januar bis März muss der Versicherte den höheren Zusatzbeitrag an seine bisherige Krankenkasse entrichten.

Auswahl einer neuen Krankenkasse

Möchten Sie in eine andere Kasse wechseln, sollten Sie sich nicht nur an den Kosten orientieren. In einigen Punkten bieten die gesetzlichen Kassen unterschiedliche Leistungen in ihren Satzungen zusätzlich zu den Regelleistungen an. Präventionsangebote, Angebote zu Osteopathie oder Unterschiede beim Kundenservice - wie etwa eine Geschäftsstelle vor Ort oder eine gut erreichbare Hotline - können für viele Patienten entscheidende Faktoren sein, die eine Kassenwahl mit bestimmen.