Unfair, teuer, nervenzehrend: Die 13 lästigsten Verbraucherprobleme

Stand: 30. September 2026

Wenn die Vertragsfalle zuschnappt oder Anbieter Kundenrechte verweigern, wird es für Verbraucher:innen schnell teuer und nervenzehrend. Immer dann hilft die Verbraucherzentrale. Wir setzen uns für die Menschen in Thüringen ein: Wir erklären Verbraucherrechte, zeigen Wege auf und führen Lösungen herbei. Dies geschieht insbesondere in unseren 16 Beratungsstellen. Denn oft sind die Probleme zu komplex für ein Telefonat oder eine E-Mail. Dann ist das persönliche Gespräch unersetzbar. Folgendes belastet die Thüringer:innen im Jahr 2025 besonders (Stand 09.25).

Die 13 lästigsten Verbraucherprobleme

1. 1N Telecom und der Ärger reißt nicht ab

1N Telecom drängte in den Jahren 2023 und 2024 mit verschiedenen Maschen intensiv in den Markt. Die Folgen belasten die Thüringer:innen bis heute: In dem Glauben, es schreibe die Deutsche Telekom, reagierten Verbraucher:innen auf Briefe der 1N Telecom. Ohne sich dessen bewusst zu sein, stimmten sie einem Anbieterwechsel zu. Die Briefe erhielten in der Regel Senior:innen, die tatsächlich einen Vertrag bei der Deutschen Telekom hatten. Andere Verbraucher:innen erhielten Briefe, die sie meinen ließen, es gebe bereits einen Vertrag mit der 1N Telecom. Der Anbieter verlangte unrechtmäßig Schadensersatz, wenn man diese angeblichen Verträge „kündigte“. Das Traktieren der Verbraucher:innen durch immer neue Inkasso-Büros hält an. Seit Juli fordert die TPI Investment Zahlungen für angebliche Verträge ein. 

Seit 2023 haben die Verbraucherzentralen bundesweit 14.000 Beschwerden über den Telekommunikationsanbieter erhalten. In Thüringen halfen die Berater:innen mehr als 830 Betroffenen. Die Verbraucherzentralen haben 17 Verfahren gegen die 1N Telecom eingeleitet. Im Juli 2025 entschied der Bundesgerichtshof (Az. III ZR 59/24) in einem Verfahren der Verbraucherzentrale Thüringen gegen die 1N Telecom zugunsten der Verbraucher:innen. 

2. Abofalle PVZ: Leseprobe? Nein, Jahresvertrag!

Wenn im derzeitigen Beratungsalltag von einem Massenphänomen zu sprechen ist, dann bei den Ärgernissen rund um den Anbieter Pressevertriebszentrale (PVZ). Wöchentlich helfen unsere Berater:innen Ratsuchenden aus ungewollten Verträgen.

Opfer dieser Vertriebsstruktur berichten, dass ihnen ein Gratisexemplar einer Zeitschrift angeboten worden sei – zum Beispiel als Dankeschön für die Teilnahme an einer Umfrage oder für eine Bestellung im Internet. Kurz darauf habe sich die PVZ gemeldet und die erste Zahlung für ein angebliches Jahres-Abo eingefordert. Die Verbraucher:innen versichern, dass sie zuvor keinerlei Vertragsdokumente erhielten. 

Während die Betroffenen bei der PVZ abprallen, zeigen Schreiben unserer Berater:innen Wirkung: In der Regel lässt die PVZ von den Forderungen ab. In den Jahren 2024 und 2025 haben die Verbraucherzentralen bundesweit mehr als 12.500 Beschwerden von Verbraucher:innen zur PVZ erfasst. In Thüringen halfen wir seit 2023 mehr als 780 Betroffenen. 

3. Kreditkarte durch Betrüger belastet – Solaris Bank verweigert ihre Pflicht

Zwei Wochen nicht das Konto geprüft und plötzlich ist die Kreditkarte mit 2.350 Euro belastet. So erging es einem Verbraucher, der sich an unsere Beratung wandte. Sein Fall ist ein Beispiel für unautorisierte Zahlungen, die sich zuletzt bei Kreditkarten-Kund:innen des ADAC häuften. 

Hinter solchen ungewollten Abbuchungen stecken entweder Betrugsmaschen Dritter oder ein Datenleck beim Kreditinstitut. Kund:innen müssen die Summen nur gegenüber der Bank begleichen, wenn sie grob fahrlässig gehandelt haben. Belegen muss dies die Bank. 

Die Solaris Bank, die die Kreditkarten für den ADAC ausgibt, forderte die Summen pauschal ein, ohne ihrer Nachweispflicht nachzukommen. Sie wälzte die Verantwortung auf die Kund:innen ab. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat Solaris deshalb verklagt. Unsere Berater:innen unterstützen Verbraucher:innen dabei, sich wirksam vor Betrug und finanziellen Verlusten zu schützen. Ähnliche Beschwerden betreffen auch die DKB, Sparkassen und Volksbanken. 

4. Problemfeld Onlinehandel

Online einkaufen, jederzeit und von überall? Das erleichtert das Leben – insofern alles glattläuft. Jedoch: Das Thema Onlineshopping ist einer der häufigsten Beschwerdegründe in unserer Beratung. Das finanzielle Nachsehen haben die Kund:innen, besonders, wenn per Vorkasse bezahlt wurde. Die Probleme sind dabei ganz verschieden:

  • Der Shop, in dem bestellt wurde, existiert nicht. Er ist ein Fake-Shop. 
  • Es wurde Ware geliefert, aber diese entspricht nicht der versprochenen Qualität. Gefälschte CE-Zeichen und andere gefälschte Siegel sind bei Elektronik oder Spielwaren keine Seltenheit.  
  • Shops täuschen vor, in Deutschland zu sitzen, oft begünstigt durch eine .de-Domain.   
  • Die Retoure soll aber dann nach Asien versandt werden. Die Portokosten für die Retoure übersteigen damit den Warenwert. 
  • Gewährleistungsansprüche werden nicht anerkannt oder sind nicht umsetzbar. 

Der persönliche Schaden der Betroffenen geht meist einher mit einem Vertrauensverlust in den Online-Handel insgesamt. Die Politik muss hier eingreifen. Wir fordern: Es braucht klare staatliche Durchgriffsrechte, damit Internetseiten, die erwiesen Verbraucherrecht verletzen, vom Netz genommen werden. 

Seit August 2022 gibt es den Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentralen. Bislang identifizierte dieser 72.700 Fake-Shops. Jeden Monat kommen 1600 neue betrügerische Shops hinzu. (fake-shop-finder.de

5. Zum Verwechseln ähnlich und leider ohne Mehrwert

Immer öfter können Dokumente und Dienstleistungen online beantragt werden. Diese Tatsache machen sich unseriöse Anbieter zunutze, die den offiziell verantwortlichen Stellen zum Verwechseln ähnlich sehen. Doch statt eines Führungszeugnisses, einer Geburtsurkunde oder des eigenen Punktestands in Flensburg erhalten Verbraucher:innen dort nur Informationen darüber, wie und wo sie die Dokumente eigentlich beantragen müssen. 
Oder: Eine Leistung wie ein Nachsendeauftrag bei der Post wird zum vielfachen Preis arrangiert. Die Maschen sind verschieden und gehen zu Lasten der Verbraucher:innen. 

Problematisch ist, dass die Leistungen oft sofort in Anspruch genommen werden. Damit verlieren die Verbraucher:innen ihr Widerrufsrecht. Wir helfen, unberechtigte Forderungen abzuwenden. Aber auch hier wird sich das Problem ohne politisches Eingreifen nicht lösen lassen.

6. Streitigkeiten mit Fitnessstudios

Immer wieder berät die Verbraucherzentrale Thüringen zu Streitigkeiten mit Fitnessstudios. Wesentliche Beschwerdegründe der Ratsuchenden bei Fitnessstudios sind: 

  • Der Vertrag wurde unzulässig verlängert, durch versteckte Klauseln oder die Anrechnung von Bonuszeiten.
  • überhöhte oder intransparente Gebühren
  • fehlende oder verspätete Kündigungsbestätigungen, die zu einer künstlichen Vertragsverlängerung führen
  • verweigerte oder verzögerte Kommunikation mit den Kund:innen 
  • Forderungen ohne wirksame Vertragsgrundlage bzw. angebliche Vertragsabschlüsse ohne Unterschrift

Spitzenreiter: Wegen 25 unzulässiger Vertragsklauseln hat die Verbraucherzentrale Thüringen einen Fitness-Anbieter aus Nordthüringen erfolgreich abgemahnt.

7. Wild West bei Strom- und Gasverträgen

Auch nach der Energiekrise tummeln sich auf dem Energiemarkt überdurchschnittlich viele unseriöse Anbieter. Deren Praktiken führen zu enormen finanziellen Belastungen für Verbraucher:innen. Überrumpelnd und die Verletzlichkeit der Verbraucher:innen ausnutzend, leiten sie den Anbieterwechsel oftmals an der Haustür ein. Für besonders viel Frust sorgen in jüngster Zeit die Anbieter Primastrom, Voxenergie und Nowenergy.

Zuletzt drängte Primastrom potentielle Neukund:innen mit Werbeschreiben zum Rückruf. Primastrom umging so aus Sicht der Verbraucherzentrale das Verbot unangekündigter Telefonwerbung. In der Vergangenheit wurden immer wieder Preise ohne die Zustimmung der Kund:innen im laufenden Vertrag erhöht, auf ein Recht zur Sonderkündigung wurde nicht hingewiesen, Widerrufe von Verträgen wurden ignoriert oder aber nach Kündigungen wurde ein Vertragsende festgesetzt, das unverhältnismäßig weit in der Zukunft lag. 

Neben dem Vertragsärger ist festzuhalten, dass die Preise für Strom und Gas bei diesen Anbietern weit über dem Marktdurchschnitt lagen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat im Sommer 2024 einen Vergleich mit der primaholding erwirkt. Das Geschäftsgebaren der zugehörigen Anbieter, und genauso anderer Energieanbieter, hält trotzdem an.   

8. TEN: Kein Geld für eingespeisten Solar-Strom

Die Photovoltaikanlage speist ins Netz ein, aber weder funktioniert die Abrechnung noch wird eine Einspeisevergütung ausgezahlt. Vor diesem Problem stehen viele Kund:innen der Thüringer Energienetze (TEN). Die Probleme beginnen in der Regel mit dem Einbau der neuen intelligenten Zähler. 

Den Kund:innen wird mitgeteilt, dass diese den Verbrauch und die Einspeisungsmenge der PV-Anlagen nun automatisch auslesen und übermitteln würden. Doch dann passiert das: Entweder bleibt im Anschluss die Registrierung des neuen Zählers im System der TEN aus, oder aber die Daten des neuen Zählers werden nicht an den Energieversorger weitergegeben. 

Im ersten Fall erhalten die Kund:innen keine Abrechnung und keine Einspeisevergütung. Im zweiten Fall rechnet der Stromversorger notgedrungen mit einem geschätzten Zählerstand ab, was zu unerwarteten hohen Nachzahlungen für die Kund:innen führen kann. 

Verbraucher:innen berichten, dass mehrfaches Nachfragen bei der TEN keine Änderung des monatelangen Missstandes herbeiführte – ärgerlich und zugleich fatal für die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende.

Und dann wäre da noch … Bei den folgenden Themen können wir die Probleme weder individuell für die Ratsuchenden lösen noch sie wirklich entlasten. Aber wir können formulieren, was die Thüringer:innen beschäftigt und daraus Forderungen ableiten. Wir haben unser Ohr nah an den Menschen. 

9. Versteckte Preiserhöhungen im Supermarkt

Nur noch 450 statt 500 Milliliter in der Flasche oder ein Fruchtsaft wird zum Fruchtnektar mit Zuckerwasser – bei gleichbleibendem oder sogar steigendem Preis. Zu solchen Mogelpackungen gehen bei der Verbraucherzentrale regelmäßig Beschwerden ein. Denn in Supermarktregalen finden sich immer mehr dieser versteckten Preiserhöhungen. 

Weil die Preise für Lebensmittel auf hohem Niveau verharren, belasten versteckte Preiserhöhungen die Menschen besonders. Wäre man sich der Reduzierung des Inhalts oder der nun minderwertigeren Zutaten bei gleichbleibendem Preis bewusst gewesen, hätte man vielleicht ein anderes Produkt gewählt. 

Diese Intransparenz sorgt dafür, dass sich Verbraucher:innen getäuscht fühlen und ihr Vertrauen in die herstellenden Unternehmen geschädigt wird. Für mehr Fairness fordern die Verbraucherzentralen einen Warnhinweis, wenn Produkte mittels Shrink- oder Skimflation an Menge oder hochwertigen Inhaltsstoffen verlieren. Ein positives Beispiel: In Ungarn und in Frankreich müssen seit 2024 Lebensmitteleinzelhändler dies durch einen Hinweis am Regal kennzeichnen.

10. Echte Erleichterungen bei Strom und Gas notwendig

Entgegen der Vereinbarung im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung die Stromsteuer für private Haushalte nicht gesenkt – obwohl dies eines der zentralen Wahlversprechen der Koalitionsparteien war. 

Statt einer spürbaren Entlastung drohen nun steigende Kosten: Werden die geplanten Subventionen für Gaskraftwerke auf die Stromkund:innen umgelegt, könnten sich die Preise für private Haushalte weiter erhöhen. Anstatt die Belastung zu senken, würde sie noch größer – und das trifft viele Menschen in ihrer ohnehin angespannten Haushaltslage hart. 

11. Fernwärme: keine Transparenz beim Preis

Thüringen hat einen hohen Fernwärme-Anschlussgrad. Dieser soll im Zuge der Wärmewende weiter steigen. Für Verbraucher:innen ist Fernwärme eine Blackbox: Wie sich die Preise bilden, ist für Kund:innen nur schwer nachvollziehbar. Hinzu kommt: Die Fernwärmepreise in Thüringen sind hoch, unterscheiden sich von Versorger zu Versorger teilweise immens und ein Anbieterwechsel ist schwer 
oder gar nicht möglich. Während Mieter:innen unter Anschlusszwang stehen, können Hauseigentümer, die sich für Fernwärme entscheiden, später nur mit erheblichem Aufwand den Energieträger wechseln. 

Wir fordern deshalb eine verbraucherfreundliche Novellierung der Versorgungsbedingungen für Fernwärme und einen für alle zugänglichen Thüringer Energiepreisatlas.

12. Riester-Verträge halten ihre Versprechen nicht

Verbraucher:innen, die ihren Lebensstandard im Alter halten wollen, sind zur Ergänzung der gesetzlichen Rente auf eine private Zusatzversorgung angewiesen. Das Problem: die staatlich geförderte Riester-Rente funktioniert nicht ausreichend gut. Viele Riester-Verträge sind teuer, unflexibel und werfen nur wenig Rendite ab.

Auch Verbraucher:innen, die schon einen Riester-Vertrag abgeschlossen haben, stehen immer wieder vor Problemen. Zum Rentenbeginn werden teilweise hohe Zusatzkosten erhoben, ohne dass Verbraucher:innen die Chance haben, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Die Nachfrage bei der Verbraucherzentrale in diesem Bereich zeigt, wie dringend eine Alternative zum Riester-Vertrag als staatlich geförderter privater Altersvorsorge fehlt.

13. Keine Sicherheit beim Deutschlandticket

Die Bundesregierung unterstützt das Deutschlandticket zwar grundsätzlich, doch eine stabile Finanzierung ist bislang nicht gesichert. Die fehlende Planbarkeit sorgt bei Verbraucher:innen für Verunsicherung. Damit das Ticket bestehen kann, muss eine dauerhafte Finanzierung sichergestellt werden. 

Es gilt aber auch: Damit das Deutschlandticket von allen gleichberechtigt genutzt werden kann, muss der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden, gerade im ländlichen Raum. Hier ist das Angebot nicht ausreichend und stellt Verbraucher:innen ohne Auto vor Herausforderungen, die den Alltag erschweren.   

Die Verbraucherzentrale ist eine unerlässliche Kraft vor Ort. Niemand sollte an untergeschobene Verträge gebunden sein oder für ungerechtfertigte Forderungen zahlen müssen. In solchen Fällen helfen die Berater:innen der Verbraucherzentrale in thüringenweit 16 Beratungsstellen – kompetent, unabhängig und niederschwellig. Mit unserer Beratung bleibt der Euro da, wo er sein sollte: In der Hand der Thüringer:innen und nicht auf den Konten von Betrügern.

Verbraucherschutz bedeutet für uns aber auch, den Markt zu beobachten, grundsätzliche Rechtsfragen vor Gericht zu klären, Missstände bei Verbraucherthemen zu benennen und Forderungen an die Politik zu stellen. Auch das wollen wir mit diesem Papier tun.