Abzocke mit teuren Dienstleistungen für alte Buchsammlungen
Alte Lexika, Faksimile-Ausgaben oder Enzyklopädien: Was einst viel Geld gekostet hat, weckt bei manchen Besitzer:innen die Hoffnung auf einen hohen Wiederverkaufswert. Genau darauf zielt eine Betrugsmasche: In Thüringen melden sich derzeit unaufgefordert angebliche Sachverständige und stellen Verbraucher:innen für ihre Privatsammlungen hohe Verkaufserlöse in Aussicht.

Voraussetzung seien allerdings ein kostenpflichtiges Gutachten oder eine Rückabwicklungsgebühr. Die Verbraucherzentrale Thüringen warnt: Lassen Sie sich darauf nicht ein.
„Für solche angeblichen Wertgutachten werden je nach Umfang der Büchersammlung bis zu mehrere Tausend Euro verlangt“, weiß Rebecca Bergmann, Juristin bei der Verbraucherzentrale Thüringen. „Dabei sind die Papiere praktisch wertlos: Sie stammen nicht von anerkannten Sachverständigen, beruhen teils auf standardisierten Vorlagen und setzen unrealistisch hohe Werte an. Eine persönliche Begutachtung der Bücher findet aus unserer Erfahrung nicht statt.”
Nach dem Gutachten folgen nicht selten weitere Forderungen – etwa für eine Registrierung oder angebliche Vermittlungskosten. Der angekündigte Verkauf kommt dagegen nie zustande.
Bei einer anderen Masche stellen dubiose Firmen wie die „Bulls Capital UG” oder die „Faktenkompass GmbH” eine rentable Rückabwicklung gegen eine Servicegebühr von 69,90 Euro oder gegen eine Mitgliedsgebühr von 360 Euro für die Einschätzung in Aussicht. Der Verbraucherzentrale ist allerdings kein Fall bekannt, bei dem je eines der einst teuer erworbenen Bücher tatsächlich danach verkauft wurde.
Besonders tückisch ist die Masche, weil viele Betroffene ihre Bücher vor Jahrzehnten teuer gekauft oder geerbt haben. Der damalige Kaufpreis sagt jedoch wenig über den heutigen Marktwert aus. Gerade mehrbändige Lexika und viele Faksimile-Ausgaben lassen sich auf dem Antiquariatsmarkt oft nur schwer verkaufen.
Das rät die Verbraucherzentrale
- Gesunde Skepsis: Wer ungefragt ein vermeintlich lukratives Kaufangebot oder das Angebot einer Rückabwicklung erhält, sollte misstrauisch werden. Für einen angekündigten Verkauf sollten keine Kosten im Voraus gezahlt werden. Zeitdruck, hohe Wertversprechen und Gebühren für Gutachten oder Registrierungen sind deutliche Warnsignale.
- Informieren: Wer den tatsächlichen Wert einer Sammlung ermitteln möchte, kann sich bei seriösen Antiquariaten oder Auktionshäusern informieren. Bevor ein kostenpflichtiges Gutachten in Auftrag gegeben wird, sollte geprüft werden, ob die Sachverständigen fachlich qualifiziert und anerkannt sind.
- Zu spät? Wer bereits gezahlt hat, sollte keine weiteren Überweisungen leisten, sämtliche Unterlagen und Zahlungsbelege sichern und prüfen, welche Möglichkeiten zur Rückforderung bestehen. Auch eine Strafanzeige kann sinnvoll sein.
Die Verbraucherzentrale Thüringen berät Betroffene zu möglichen nächsten Schritten. Eine Termin erhalten Ratsuchende online oder telefonisch unter Tel. 0361 555 14 0.
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