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Steigende Lebensmittelpreise: Fakten, Ursachen, Tipps

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Seit Monaten steigen die Preise für Lebensmittel. Wir beleuchten die Fakten, Hintergründe und Ursachen, beantworten Fragen und geben Tipps für den Einkauf!
Jemand mit Gemüse im Warenkorb und Taschenrechner
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Wie hoch ist der Preisanstieg wirklich?

Nach den Daten des Statistischen Bundesamtes sind Nahrungsmittel teurer geworden (Verbraucherpreisindex für Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, die als repräsentativ für den "durchschnittlichen privaten Haushalt" angesehen werden) und zwar in allen Lebensmittelgruppen.

Lag die Teuerung zwischen 2000 und 2019 durchschnittlich noch knapp unter 1,5 Prozent, liegt der Preisanstieg von April 2021 zu April 2022 bei 8,6 Prozent.

In den vergangenen 20 Jahren waren die Lebensmittelpreise deutlich weniger angestiegen als andere Lebenshaltungskosten.

Preiserhöhungen hat es nun bei allen Nahrungsmittelgruppen gegeben. Erheblich teurer wurden Speisefette und Speiseöle (+27,3%), Fleisch und Fleischwaren (+11,8%), ebenso Molkereiprodukte und Eier (+9,4%) sowie frisches Gemüse (+9,3%).

Sorgt nur der Krieg gegen die Ukraine für höhere Preise?

Viele Faktoren verändern die Situation in der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft. Die Kosten für Energie und Düngemittel sind stark gestiegen, Arbeitskräftemangel und Mindestlohn verteuern die Personalkosten. Bereits im Juli 2021 setzte der erste Preisschub bei Lebensmitteln ein, der sich bis heute Monat für Monat fortsetzt. Zuletzt wurden Lebensmittel im Februar 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat durchschnittlich um 5,1 Prozent teurer. Seit März 2022 haben die Discounter und Supermarktketten stufenweise weitere Preiserhöhungen umgesetzt.

Nicht alle Preissteigerungen basieren aber auf höheren Herstellungskosten. Denn es wird zwar vor allem mit Energierohstoffen wie Erdöl und Gas an den Börsen spekuliert, aber auch mit Lebensmitteln wie etwa Weizen und Pflanzenölen.

Zusätzlich wäre ein kritischer Blick der Politik und des Kartellamtes auf die Handelsunternehmen und einen Teil der Lebensmittelhersteller nötig, falls einige die Gunst der Stunde nutzen, um die eigenen Erträge zu verbessern.

Werden Mehl und Brot knapp?

In Deutschland besteht aktuell kein Grund zur Sorge. Die Ukraine und Russland sind zwar wichtige Weizenproduzenten, aber Deutschland ist nach Frankreich der zweitgrößte Getreideproduzent in der Europäischen Union und importiert kein Brotgetreide.

Hamsterkäufe sind vor diesem Hintergrund also nicht nur unnötig, sondern sie verschärfen die Lage zusätzlich. Dass manche Supermarktregale kurzfristig leer bleiben, hängt von einer stark gestiegenen Nachfrage - wie etwa bei Mehl - ab, die nicht schnell genug bedient werden kann.

Die Preise von Mehl, Brot und Backwaren sind allerdings bereits gestiegen und können noch weiter steigen, weil die deutschen Getreidepreise sich am Weltmarkt orientieren. Länder, die sonst viel Weizen aus der Ukraine und Russland importieren, werden ihren Bedarf stärker auf dem Weltmarkt decken müssen. Und China hortet derzeit rund die Hälfte der globalen Lagerbestände an Weizen. Dies führt insgesamt zu Verwerfungen und höheren Preisen auf dem Weltmarkt.

Übrigens: Durch steigende Preise beim Futtergetreide sind auch steigende Preise bei tierischen Lebensmitteln absehbar.

Gibt es Engpässe bei Speiseölen?

Bei Speiseölen ist Deutschland auf Importe aus dem Ausland angewiesen, aber es gibt ein großes Angebot aus anderen EU-Staaten, Osteuropa, Kanada und den USA.

Allerdings gab es bereits vor dem russischen Angriff auf die Ukraine Probleme, die sich weltweit ausgewirkt haben: Ernteausfälle in Kanada und Südamerika wegen extremer Hitzewellen, die gestiegene Nachfrage nach Biodiesel als Kraftstoff oder höhere Preise für Energie und Düngemittel.

Der Krieg gegen die Ukraine verschärft jetzt die schon angespannte Lage. Die Ukraine und Russland produzieren gemeinsam mehr als drei Viertel der weltweiten Sonnenblumen – die Ukraine allein rund die Hälfte. Wegen des Krieges gibt es kurzfristig Lieferengpässe bei Sonnenblumenöl.

In Deutschland können Verbraucher:innen allerdings problemlos auf andere Speiseöle zurückgreifen. Dazu zählen z.B. raffiniertes Rapsöl und Olivenöl zum Braten, bei denen keine Engpässe zu erwarten sind.

Vor diesem Hintergrund sind auch hier Hamsterkäufen nicht notwendig. Sie erzeugen außerdem künstliche Engpässe, weil die Lieferketten und Ölmühlen nicht in der Lage sind, auf kurzfristig stark steigende Nachfragen angemessen zu reagieren.

Wird es Engpässe bei Kartoffeln geben? 

Deutschland gehört mit Polen, Frankreich und Rumänien zu den wichtigsten Kartoffelproduzenten in der Europäischen Union. Der europäische Kartoffelanbau kann bei normalen, durchschnittlichen Erntemengen den Bedarf in der EU decken.

Im Herbst 2021 gab es jedoch in Deutschland und der EU eine vergleichsweise schlechte Ernte und die Anbaufläche schrumpfte um ca. fünf Prozent. Dies verringerte das Angebot an Kartoffeln auf dem deutschen Markt deutlich. Hinzu kam im Herbst 2021 ein sprunghafter Preisanstieg um rund 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr durch die Wiedereröffnung von Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Im Januar 2022 gab es nochmal Anstiege, so dass der Kartoffelpreis innerhalb eines Jahres um ca. 65 Prozent gestiegen ist.

Nach dem bisherigen Höhepunkt Anfang Februar 2022 sanken die Preise bis Mitte März um 25 Prozent.

Eine deutliche Entspannung kann die Frühkartoffelernte in Südeuropa (Mai) und später in Deutschland (Juni) bringen.

Wie wichtig wäre Unterstützung für Geringverdiener?

Mit durchschnittlich zwölf Prozent machen die Kosten für Lebensmittel im Haushaltsbudget der Verbraucher:innen bisher nur einen verhältnismäßig geringen Anteil aus.

Für Menschen mit geringen Einkommen sind die Preissteigerungen zu einem Problem geworden. Denn der Hartz-IV-Satz für Lebensmittel liegt pro Tag bei etwa 5,20 Euro – das reicht nicht für eine gesunde Ernährung.

Da die Lebensmittelpreise seit dem Sommer 2021 stark ansteigen und Handel und Ernährungsindustrie weitere Preissteigerungen angekündigt haben, ist es aus Sicht der Verbraucherzentralen höchste Zeit für politisches Handeln, um Menschen mit geringen Einkommen zu unterstützen. Immerhin 16 Prozent der Menschen in Deutschland gelten laut Paritätischem Wohlfahrtsverband als arm. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb:

  • eine deutliche Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze, so dass auch bei hohen Lebensmittelpreisen eine gesunde Ernährung möglich ist,
  • Sonderzahlungen für Personen mit niedriger Rente und Bezieher:innen von Grundsicherung,
  • eine Beitragsreduzierung für die Gemeinschaftsverpflegung in Kitas, Schulen, Hochschulen oder für Geringverdiener in Unternehmen, öffentlichem Dienst und sozialen Einrichtungen,
  • eine Senkung der Mehrwertsteuer bei Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten,
  • eine Unterstützung der Einrichtungen, die Mahlzeiten für Obdachlose anbieten.

Welche Tipps gibt es für den Einkauf bei steigenden Lebensmittelpreisen?

Saisonale Lebensmittel kaufen: Tomaten sind lecker und gesund, aber im Winter sehr teuer und müssen über viele tausend Kilometer zu uns transportiert werden. Deutlich günstiger ist die Ernährung mit heimischen Lebensmitteln, die gerade Saison haben. Im Winter sind das zum Beispiel Porree, Rote Beete, Rüben, verschiedene Kohlsorten und Feldsalat. Aus der Lagerung gibt es Kartoffeln, Äpfel, Möhren, Kürbis oder Pastinaken. Einen guten Überblick bietet der Saisonkalender der Verbraucherzentralen. Ein Einkauf auf dem Markt kann zudem günstiger sein als im Supermarkt, vor allem kurz vor Ende des Markttages.

Mit Wochenplan einkaufen gehen: Es lohnt sich, einen Essensplan für die komplette Woche aufzustellen und damit geplant einzukaufen. Ein solcher Plan mit Einkaufszettel reduziert die oft teuren Spontankäufe. Vorab sollte man die eigenen Vorräte und die Reste im Kühlschrank checken und von hinten nach vorne räumen. Auch ist es möglich, vorab ein Maximalbudget für den Einkauf festzulegen.

Selber kochen – Brotzeit statt "To go": Es ist meist günstiger selbst zu kochen, in Portionen einzufrieren und dann zum Mitnehmen portionsgerecht aufzutauen als auf teure Fertigmahlzeiten zurückzugreifen. Die Ernährungsexpert:innen der Verbraucherzentralen bieten online eine Liste mit Gerichten, die den Geldbeutel schonen. Ebenso gehen kleine Snacks unterwegs ins Geld. Wer sich eine Brotzeit schmiert und den Kaffee im eigenen Thermobecher mitnimmt, kann damit Geld und Verpackungsmüll sparen.

Spartipps von der Lagerung bis zum Selbstanbau: Verbraucher:innen können zudem weitere Sparmöglichkeiten nutzen: Lebensmittel, die nur noch kurz haltbar sind, werden meist in Supermärkten oder Discountern reduziert angeboten. Ebenso sollten übermäßige Lebensmittelabfälle vermieden werden. Speisereste kann man mit cleveren Rezepten weiterverwenden. Lebensmittel sollten zudem zu Hause richtig gelagert werden, damit sie sich möglichst lange halten. Auch bei Getränken gibt es Sparpotenzial: Wasser, vor allem Leitungswasser, ist deutlich billiger als Softdrinks. Leitungswasser ist besonders umweltschonend und kann geschmacklich mit einem Spritzer Zitrone oder ähnlichem aufgepeppt werden. Und wer einen Garten oder Balkon und einen grünen Daumen hat, kann Kräuter, Gemüse und Obst selbst anbauen.