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Materialien mit Melamin

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Farbenfrohe Teller, Becher und Kochutensilien liegen im Trend. Ebenso buntes Kindergeschirr mit Motiven wie Piraten oder Prinzessinnen. Häufig werden sie mit Hilfe von Melamin-Formaldehyd-Harz hergestellt, einem harten und bruchsicheren Kunststoff.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In Tierversuchen haben Melamin und Formaldehyd gesundheitsschädliche und krebsfördernde Wirkungen gezeigt.
  • Melaminhaltige Haushaltsgegenstände sollten höchstens Temperaturen bis zu 70° C ausgesetzt werden.
  • Durch fehlerhaften oder unsachgemäßen Gebrauch von Lebensmittelkontaktmaterialen können Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen.
Schalen aus Bambus
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Eine Reihe von gesundheitlichen Risiken kann mit der Aufnahme von Melamin und Formaldehyd verbunden sein. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung  kam es in Tierexperimenten zu toxischen Wirkungen an der Blase durch Melamin. Formaldehyd ist haut- und schleimhautreizend, kann akut zu Tränenfluss, Hustenreiz, Übelkeit und Erbrechen führen. Bei regelmäßigem Einatmen kann es Krebs im Nasen-Rachen-Raum auslösen. Außerdem kommt es bei bestehender Formaldehyd-Allergie zu Kurzatmigkeit und Verengung der Luftwege oder nach Hautkontakt zu Brennen, Rötungen, Blasenbildung der Haut, Zerstörungen des Hautgewebes oder zu allergischen Kontaktekzemen.

Der Übergang von Schadstoffen aus Lebensmittelkontaktmaterialien mit Melamin-Formaldehyd-Harzen (kurz Melamingeschirr) wurde in der Vergangenheit oft untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Aufnahme von Schadstoffen vor allem an dem falschen Umgang mit dem Geschirr liegt. Werden säurehaltige Lebensmittel in melaminhaltigen Behältnissen aufbewahrt oder Essen darin bei über 70 °C erwärmt, können Melamin und Formaldehyd austreten und auf die Lebensmittel übergehen. Melamingeschirr sollte daher nur Temperaturen bis zu 70° C ausgesetzt werden.

 
Erwärmen Sie Melamingeschirr nicht in der Mikrowelle!

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist Melamingeschirr weder für den Kontakt mit heißen flüssigen Lebensmitteln wie Kaffee, Suppe oder Säuglingsfolgenahrung noch zur Verwendung in Mikrowellengeräten geeignet.

Um zu verhindern, dass gesundheitsgefährdende Mengen an Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen, hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt. Demnach dürfen pro Kilogramm Lebensmittel maximal 2,5 mg Melamin und 15 mg Formaldehyd übertreten (spezifischer Migrationswert). Die tägliche tolerierbare Aufnahmemenge (TDI) für Melamin beträgt für den durchschnittlichen Erwachsenen 0,2 mg/kg Körpergewicht. Also sollte ein 70 kg schwerer Mensch täglich nicht mehr als 14 mg Melamin aufnehmen. Bei Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und sachgemäßer Verwendung von Küchenutensilien kommt es für gewöhnlich nicht zur Überschreitung dieser Werte.

Vielen Anwendern ist nicht bewusst, welche Eigenschaften das Material besitzt. Es wird durchaus Milch in einem Melaminbecher oder Essen auf einem Melaminteller in der Mikrowelle erwärmt. Außerdem gibt es Kochlöffel oder Pfannenwender aus Melamin, deren Anwendung in heißen Speisen nicht oder nur für wenige Sekunden geeignet ist. Generell ist Melamingeschirr kein Koch-, sondern Essgeschirr.

Nutzen Sie Kochlöffel und Pfannenwender aus Melamin nur kurz zum Umrühren!

Hohe Temperaturen führen vor allem bei der Zubereitung von sauren Lebensmitteln zur Zersetzung des Materials, äußerlich erkennbar an einem Glanzverlust oder spröder, rissiger Oberfläche. Kochlöffel und Pfannenwender aus Melamin sollten nur zum kurzen Umrühren benutzt und nicht über längere Zeit in Topf oder Pfanne bleiben.
 

Ob Geschirr oder Küchenutensilien aus Melamin-Formaldehyd-Harzen bestehen, ist nur einem freiwilligen Hinweis der Hersteller zu entnehmen. Häufig fehlt auch die Kennzeichnung für eine sachgemäße Verwendung oder sie ist schlecht lesbar. Aus Sicht der Verbraucherzentralen besteht dringender Verbesserungsbedarf, damit Verbraucher eine gezielte Auswahl treffen und sachgemäß nutzen können.

Vorsicht gilt auch bei Bambusgeschirr, das vor dem Hintergrund der Plastikvermeidung ein gutes Image genießt. Denn die Becher (z. B. Coffee to go) enthalten oft einen erheblichen Kunststoffanteil, meist Melamin. Werbeaussagen rücken oft das Bambus in den Vordergrund, obwohl es als Füllmasse meist einen geringeren Anteil des Materials ausmacht. Aussagen wie „biologisch abbaubar“ sind verbrauchertäuschend und falsch, da Bambus in Verbindung mit dem Melamin-Formaldehyd-Harz nicht mehr abbaubar ist.
 

Im Europäischen Schnellwarnsystem (RASFF) werden Küchenutensilien aus Bambusmischungen häufig wegen Überschreitung der gesetzlichen Höchstmengen von Melamin und/oder Formaldehyd gemeldet. Auch bei Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg erwiesen sich viele Bambusgeschirre als nicht verkehrsfähig – teils weil sie Schadstoffe abgeben, teils wegen irreführender Kennzeichnung.

 

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