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Lebensmittel wertschätzen und vor der Tonne bewahren

Stand:

In den privaten Haushalten entstehen jedes Jahr ca. 6 Mio. Tonnen Lebensmittelabfälle. Das sind pro Bundesbürger rund 75 kg. Ein Großteil der Abfälle (56 % = 3,14 Mio. Tonnen) ist jedoch unvermeidbar, da er aus Küchenabfällen, Schalen, Knochen und anderen nicht essbaren Teilen besteht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ursachen und Zusammensetzung der Lebensmittelabfälle
  • Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum
  • Wertschätzung von Lebensmitteln
  • In Zukunft: Halbierung der Lebensmittelabfälle
Das junge Pärchen achtet auf Recycling bzw. Mülltrennung
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Ursachen und Zusammensetzung der Lebensmittelabfälle

Jedes Jahr werden von Verbraucher:innen Lebensmittel im Wert von circa 20 Milliarden Euro weggeworfen. Welche Lebensmittelgruppen in Haushalten in welcher Menge betroffen sind, zeigt die folgende Grafik.

Ein Diagramm, das Anteile an Lebensmittelabfällen in deutschen Haushalten zeigt.

Die wichtigsten Ursachen für Lebensmittelabfälle liegen letztlich auch in der praktischen Haushaltsführung, wenn etwa

  • zu viel gekocht wurde und die Reste nicht weiterverwendet, sondern entsorgt werden
  • im Kühlschrank wegen Unübersichtlichkeit und Fülle Produkte vergessen werden und verderben
  • Obst oder Gemüse falsch gelagert wird und sich der Schimmel breitmacht
  • Lebensmittel, die das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder überschritten haben, fälschlicherweise direkt in der Tonne landen – und zwar ohne dass geprüft wird, ob sie noch verzehrfähig sind
  • zu viel eingekauft wurde, so dass Lebensmittel verderben bevor sie verzehrt werden konnten

Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD)

Immer wieder wird Verbraucher:innen vorgeworfen, sie würden nicht richtig mit dem MHD umgehen. Doch nicht nur eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung hat ergeben, dass nur 6,8 Prozent der Verbraucher Lebensmittel wegen Überschreitung des MHDs entsorgen. Auch das Max-Rubner-Institut kommt 2018 zu einem ähnlichen Ergebnis. Danach werfen nur sieben Prozent der Verbraucher Lebensmittel mit überschrittenem MHD ohne Prüfung weg.

Zu den Verbrauchergruppen, die überdurchschnittlich Lebensmittel wegwerfen, gehören vor allem junge Erwachsene unter 30 Jahren, aber auch Haushalte mit mehr als zwei Personen sowie Verbraucher mit überdurchschnittlichem Einkommen und mit hohem Bildungsgrad. Jüngere Menschen müssen daher noch stärker für das Thema sensibilisiert werden, zum Beispiel für eine bewusstere Einkaufsplanung, bei der bestehende Vorräte geprüft werden.

Zu den Verbrauchergruppen, die unterdurchschnittlich wegwerfen, gehören Personen ab 50 Jahre und älter sowie außerhalb des Berufslebens (Arbeitslose, Rentner etc.). Diese gehen sorgsamer mit Lebensmitteln um: Sie kaufen seltener mehr als benötigt ein, werfen seltener Reste und Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum weg und entsorgen insgesamt weniger Lebensmittel.

WERTSCHÄTZUNG VON LEBENSMITTELN

…ist eine positive Grundhaltung gegenüber der Nahrung, den Pflanzen und Tieren als auch den Menschen, die sie herstellen.

…ist der bewusste Umgang mit Lebensmitteln, weil die Herstellung viel Energie und Rohstoffe erfordert, Tiere gehalten und getötet werden, erhebliche Umwelt- und Klimafolgen entstehen und Nahrung weltweit ungleich verteilt ist.

…wird geprägt durch den praktischen Umgang mit Lebensmitteln und den Erwerb von Konsumkompetenzen im Elternhaus, in der Schule und Bildung allgemein.

Die Wertschätzung für Lebensmittel ist bei vielen Menschen verloren gegangen. Zurückzuführen ist dies auf die ständige Verfügbarkeit aller Lebensmittel zu einem niedrigen Preis. Lebensmittel sind über Jahrzehnte immer billiger geworden. Die Ausgaben für Nahrungsmittel lagen 1950 bei 50 Prozent des Haushaltseinkommens. Aktuell sind weniger als zehn Prozent. In der Folge werden billige Lebensmittel leichtfertiger weggeworfen als höherpreisige Lebensmittel.

Das Wissen vor allem bei jüngeren Verbrauchern über Anbau, Tierhaltung, Erzeugung und Verarbeitung von Lebensmitteln sowie die Grundlagen der Zubereitung von Speisen (Hygiene, Zubereitung, Lagerung, Planung, Resteverwertung) ist heutzutage geringer. Es wird nicht mehr in dem Umfang wie früher von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Das liegt auch daran, dass zumindest das Mittagessen häufig in Mensen, Kantinen oder bei anderen Anbietern außer Haus verzehrt und immer weniger zu Hause gekocht wird. Auch zu Hause hält der Trend zu Fast Food und Fertigprodukten ungebrochen an. Durch den veränderten Arbeitsalltag und die Zeitknappheit werden inzwischen fast 40 Prozent der Lebensmittelausgaben in der Außer-Haus-Verpflegung getätigt - mit steigender Tendenz.

In Zukunft: Halbierung der Lebensmittelabfälle

Pro Kopf und Jahr landen ca. 75 kg Lebensmittel in der Tonne im Wert von rund 190 Euro. Davon sind rund 44 Prozent, also 33 kg vermeidbar (= ca. 90 Gramm/Tag). Eine Halbierung der Lebensmittelabfälle entspricht einer Abfallvermeidung von durchschnittlich 47 g  am Tag und 17 kg im Jahr. Das scheint nicht unmöglich und tatsächlich erreichbar.

Dazu können Verbraucher ihren Beitrag leisten, indem sie

  • Einkaufszettel verwenden
  • Packungsgrößen beachten
  • bewusst auswählen
  • richtig kühlen
  • gut lagern
  • Haltbarkeit beachten
  • regelmäßig Vorräte kontrollieren
  • Reste verwerten
  • maßvoll bestellen