Haskap – die neue Super-Beere?

Stand:

Die auch blaue Heckenkirsche genannte süß-herbe Beere ist neu auf dem Markt und soll die Zellen schützen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die aus Sibirien stammende Haskap-Beere wird zunehmend auch in Deutschland angebaut. Vermarktet werden die frischen Beeren, aber auch Saft, Aufstriche, Pulver, Wein und Likör.
  • Die Haskap-Beere ist reich an antioxidativ wirkenden Anthocyanen, Vitamin C und Mineralstoffen wie Eisen. Sie schmeckt wie eine Mischung aus verschiedenen Beerensorten.
  • Laut Werbung soll sie die Zellen und Gefäße schützen, blutdrucksenkend und entzündungshemmend wirken und vor Herzkreislauf-Erkrankungen und Krebs schützen. Diese Wirkungen sind jedoch nicht durch Studien belegt.
  • Einzelne Lebensmittel entfalten keine "Wunderwirkungen". Genauso "gesund" wie die teure Haskap-Beere sind heimische Him-, Brom- und Heidelbeeren.
Haskapbeeren in Schale
On

Was steckt hinter der Werbung für die Haskap-Beere?

Die Haskap-Beere soll das neue "Superfood" sein. Ihre Inhaltsstoffe sollen aufgrund des "hohen antioxidativen Potenzials die Zellen vor oxidativem Stress schützen", wie er beispielsweise durch Rauchen, ungesunde Ernährung oder Alltagsstress entsteht. Außerdem sollen die Beeren eine "Extraportion" Vitamine und Mineralstoffe liefern und die Zellen stärken.

Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist die Haskap-Beere ähnlich "gesund" wie heimische Heidel-, Him- oder Brombeeren, die ebenfalls hohe Gehalte an Sekundären Pflanzenstoffen wie Anthocyanen sowie Vitaminen und Mineralstoffen aufweisen. Die Gehalte dieser Stoffe können je nach Anbauregion, Klima und Sorte stark schwanken.

Die Vitamine A, C, E und die Anthocyane werden auch Antioxidantien genannt und können, über Lebensmittel aufgenommen, zwar Schutz vor oxidativem Stress bieten. Haskap-Beeren sind jedoch keine Wunderbeeren und schützen als einzelnes Lebensmittel nicht vor Erkrankungen. Werbeaussagen, die sich auf die Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Krankheiten beziehen, sind zudem für alle Lebensmittel und somit auch für Haskap-Beeren (auch in Form von Nahrungsergänzungsmitteln) verboten. Ob die Anthocyane aus den Beeren überhaupt für den Körper (bio-)verfügbar sind, ist unklar.

Was ist eine Haskap-Beere?

Der grüne Strauch mit dem botanischen Namen Lonicera caerulea zählt zur Familie der Geißblattgewächse und wird etwa 2 Meter hoch. Hierzulande ist er auch als Zierpflanze unter dem Namen "Blaue Heckenkirsche" oder "Honigbeere" bekannt.

Vorsicht: Andere Varianten, wie die Rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), können giftig sein.

Die Blüten erscheinen Mitte März, die Früchte werden im Mai reif (daher auch der Name "Maibeere"). Sie können also die hiesige Beerensaison verlängern. Sie sind länglich, etwa 1 bis 2 Zentimeter groß, dunkelblau und schmecken wie eine Mischung aus Heidelbeere, Brombeere und Himbeere – saftig, aber eher herb-süß. Sie können roh und verarbeitet verzehrt werden. Da sie im rohen Zustand relativ empfindlich sind, kommen viele verarbeitete Produkte auf den Markt, wie getrocknete Beeren, Pulver, Saft, Sirup, Fruchtaufstriche oder Liköre. Auch Gin soll sich damit herstellen lassen.

Ursprünglich stammt die blaue Beere aus dem östlichen Russland, also aus Sibirien und der Halbinsel Kamtschatka. Von dort aus verbreitete sie sich zuerst nach Japan, China und später auch nach Kanada. In europäischen Regionen wird sie in Polen und zunehmend in Österreich und der Schweiz kommerziell angebaut. Einzelne Anbauer sind auch in Süddeutschland zu finden, ansonsten ist die Frucht in Deutschland weitgehend unbekannt.

Die Preise für die frischen Beeren liegen zwischen 15 Euro und 30 Euro (Bio-Anbau) pro kg.

Gemäß Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 dürfen die Haskap-Beeren seit dem 06.01.2019 als traditionelles Lebensmittel aus einem Drittland bei uns auf den Markt gelangen. Dafür wurde der Nachweis erbracht, dass die Beeren von Lonicera caerulea in Japan eine Verwendungsgeschichte als "sicheres Lebensmittel" haben. Die Bezeichnung, die in der Zutatenliste des jeweiligen Lebensmittels anzugeben ist, lautet "Haskap-Beeren" (Lonicera caerulea).

Welche Inhaltsstoffe sind in Haskap-Beeren enthalten?

Die frischen Beeren enthalten etwa 13 Prozent Kohlenhydrate und 85 Prozent Wasser, ihr Kaloriengehalt liegt bei 33 kcal pro 100 g.

Der Vitamin-C-Gehalt der frischen Beeren kann zwischen 30 und 190 mg pro 100 g schwanken. Außerdem sind die Vitamine A und E sowie Eisen, Magnesium, Phosphor und Calcium enthalten.

Von der Region und den Wachstumsbedingungen ist abhängig, wie hoch die Gehalte an Anthocyanen (zwischen 0,2 und 0,6 Prozent) und anderen phenolischen Verbindungen sind. Die Anthocyane sind auch für die intensiv-blaue Farbe verantwortlich.

Welche Alternativen zu Haskap-Beeren gibt es?

Wer regionale Lebensmittel bevorzugt, kann sich beispielsweise mit heimischen schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Jostabeeren oder Aronia(Apfel-)beeren Gutes tun. Neben viel Aroma bieten sie eine Fülle an Vitaminen wie Vitamin C und Folsäure und Mineralstoffen wie Kalium, Calcium, Magnesium. Hohe Anthocyangehalte sind ebenfalls in vielen blauen Früchten zu finden, des Weiteren Ballaststoffe.

In der Saison sind die genannten heimischen Beeren meist kostengünstig im Hof-Verkauf oder auf Märkten zu bekommen.


Quellen: