Nicht nur Zugtickets, sondern auch Autobahn-Vignetten für das europäische Ausland können oft digital gekauft werden. Eine Verbraucherin aus Jena wollte im Internet eine Tagesvignette für Österreich kaufen. Sie klickte auf eines der ersten Suchergebnisse und landete bei einem Anbieter, der fast das Doppelte des regulären Preises verlangte. Nach der Bezahlung musste die Verbraucherin mit erheblichem Aufwand nachhaken, um die gekaufte E-Vignette überhaupt zu bekommen. Auch die Internetseite selbst war verdächtig: die Sprache teils holprig, kein Impressum und eine Firmenadresse in den USA.
„Das sind klare Warnsignale für unseriöse Anbieter. Seien Sie beim Onlinekauf besonders aufmerksam und prüfen Sie genau, ob es sich tatsächlich um die Webseite eines offiziellen Anbieters handelt“, rät Ralf Reichertz, Jurist bei der Verbraucherzentrale Thüringen.
Wer unsicher ist, ob es sich um einen seriösen Anbieter handelt, kann den Fake-Shop-Finder der Verbraucherzentrale nutzen. Mit diesem Online-Tool lassen sich Internetseiten schnell überprüfen und erste Hinweise auf mögliche Betrugsrisiken erkennen.
Echte Daten, falscher Absender
Eine weitere Masche, die derzeit gezielt Reisende ins Visier nimmt, betrifft die Buchungsplattform Booking.com. Betroffene erhalten nach einer regulären Buchung Nachrichten, die täuschend echt wirken. Diese erreichen sie nicht nur per E-Mail, sondern teilweise sogar über das Nachrichtensystem der Buchungsplattform selbst oder über Messenger-Dienste. In den Nachrichten wird behauptet, eine erneute Verifizierung der Zahlungsdaten sei notwendig – etwa wegen angeblicher Probleme bei der Zahlung. Der erzeugte Zeitdruck erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene reagieren, ohne genau hinzusehen.
„Die Kriminellen haben sich offenbar Zugriff auf echte Buchungsdaten verschafft. Sie kennen Namen, Reisezeiträume oder sogar Buchungsnummern und können sich so glaubwürdig als Unterkunft ausgeben“, so Ralf Reichertz.
Wer dem Link in der Fake-Nachricht folgt, landet auf einer professionell gestalteten Fälschung der eigentlichen Buchungsseite. Gibt man dort seine Kreditkartendaten ein, geraten diese direkt in die Hände von Betrügern. Die Folgen reichen von unberechtigten Abbuchungen bis hin zu weiteren Missbrauchsfällen.
So schützen Sie sich
„Nutzen Sie ausschließlich Zahlungsmöglichkeiten innerhalb der Buchungsplattform. Am sichersten ist die Option ‚Zahlung in der Unterkunft‘. Seien Sie misstrauisch, wenn nach einer bereits abgeschlossenen Buchung erneut Zahlungsdaten abgefragt werden. Grundsätzlich gilt: Seriöse Anbieter fordern sensible Daten nicht per E-Mail, SMS, Telefon oder Messenger an“, so Verbraucherschützer Reichertz. Auch Booking.com informiert darüber, dass diese Kontaktwege nicht zum Abgleich von Daten genutzt werden. Der Anbieter teilte außerdem mit, dass Verbraucher:innen mit betroffenen Buchungen zur Absicherung einen neuen PIN-Code erhalten, um weiter Zugriff auf ihre Reservierung im Kundenkonto zu behalten.
Sollte es dennoch zu einem Betrug kommen, ist schnelles Handeln entscheidend. Betroffene sollten umgehend ihre Bank kontaktieren, die Kreditkarte sperren lassen und Anzeige bei der Polizei erstatten. Auch Booking.com sowie der betreffenden Unterkunft sollte der Betrugsversuch gemeldet werden. Unterstützung erhalten Betroffene auch bei der Verbraucherzentrale Thüringen. Eine Terminvereinbarung ist unter vzth.de/termin-buchen oder Telefon 0361 555 14 0 möglich.