Dicke Mauern statt dickem Mantel?

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Bewohner von Altbauten kennen den Effekt: Dicke Mauern reagieren auf Schwankungen der Außentemperatur nur träge. So muß, wenn die Sonne im Frühjahr schon stundenweise scheint, dennoch die Heizung eingeschaltet werden. Die Strahlungseinwirkung von außen ist einfach viel zu gering, um das Gebäudeinnere zu erwärmen. Andererseits: Hat die Sonne die Räume einmal aufgeheizt, speichert dickes Mauerwerk die Wärme besonders gut. Gebäude mit dünneren Außenwänden reagieren dagegen viel schneller auf die nächtliche Abkühlung - und die sommerliche Erwärmung. Viele Bauherren stehen deshalb vor der Frage, was für Komfort und Geldbeutel besser ist - eine gute Dämmung oder ein hohes Speichervermögen des Mauerwerks.

Die Meinungen gehen in zwei Richtungen: Denkbar ist eine massive Bauweise mit hohem Wärmespeichervermögen oder eine geringstmögliche Speichermasse in Verbindung mit starker Außendämmung. Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile, deshalb kann es im Grunde genommen nur um die optimale Anwendung von Dämmung und Speicherfähigkeit des Mauerwerks ankommen. Die Energieberater der Verbraucherzentrale Thüringen raten daher, Außenwände, Keller und Dach auf herkömmliche Weise intensiv zu dämmen – ohne dabei auf die Wärmespeichermasse des Hauses zu verzichten. "Im Hauptwohnbereich ist eine gewisse Speicherfähigkeit vorteilhaft. Im Winter strahlen schwere Mauern die gespeicherte Wärme großflächig in die Innenräume ab, was ein behagliches Raumklima schafft. Im Sommer können sie unangenehme Überhitzungen vermeiden", so Daniel Wettig, Energieberater der Verbraucherzentrale. Die Speichermassen müssen jedoch nicht in der Außenwand liegen, die Speicherfähigkeit von Innenwänden, Böden und Decken reicht aus. Der Verzicht auf die Wärmespeichermasse ist nur bei wenig genutzten Räumen sinnvoll, die dann sehr schnell aufgeheizt werden können, kurz nach der Nutzung wieder abkühlen und keine weiteren Verluste bewirken.