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Stoffwechsel-Diäten

Stand:

Versprochen wird ein, auf den individuellen Stoffwechsel angepasster Diätplan, der die Pfunde purzeln lässt. Doch was bringen solche Diäten?

Das Wichtigste in Kürze:

  • Dem Ziel einer personalisierten Ernährung kommt man zwar langsam näher, ist aber immer noch weit davon entfernt. Trotzdem gibt es weltweit schon verschiedenste Diäten, die allesamt den Stoffwechsel aktivieren oder verändern sollen oder die dem individuellen Stoffwechsel angepasst werden. 
  • Durch Untersuchungen verschiedener Parameter des Stoffwechsels und des Blutes wird ein individueller Ernährungsplan erstellt.
  • Je nach Konzept werden völlig verschiedene Lebensmittel als besonders geeignet oder untauglich klassifiziert.
  • Studien, die zeigen, dass die Stoffwechsel-Diät besser als eine herkömmliche Diät ist fehlen meist.
Ein Maßband liegt um einen Apfel geschlungen.
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Zu den wichtigen Vertretern der Stoffwechsel-Diäten zählen:


Blutgruppen-Diät

Diese Diät gründet auf den Ideen des Naturheilkundlers Peter d'Adamo. Er geht davon aus, dass die Blutgruppe eines Menschen bestimmt, welche Lebensmittel er verträgt, für welche Krankheiten er anfällig ist, welchen Sport er am besten betreibt. Nach d'Adamos Theorie gelangen aus allen Lebensmitteln bestimmte Proteine, die so genannten Lektine, ins Blut, verklumpen dort mit den roten Blutkörperchen und schädigen dadurch den Körper. Je nach Blutgruppe würden die verschiedenen Lebensmittel deshalb zu bestimmten Reaktionen des Körpers führen: durch manche nehme er zu, andere würden ihn schlank machen. Ungünstige Lebensmittel würden schlecht verwertet und als Depotfett abgelagert.

Unsere Bewertung

Diese Diätform entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage und führt nur dann zu einer Gewichtsabnahme, wenn die Nahrungszufuhr aufgrund der Verbote so stark eingeschränkt wird, dass es zu einer negativen Energiebilanz kommt.

Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) existieren keine wissenschaftlichen Beweise für den behaupteten gesundheitlichen Nutzen von Blutgruppendiäten.

In keinem Fall ist wissenschaftlich dokumentiert, dass Lektine (Hämagglutinine) aus Lebensmitteln im Blut zu Verklumpungen (Agglutinationen) führen. Nur für einen kleinen Teil der Nahrungslektine ist überhaupt nachgewiesen, dass sie in sehr gering messbaren Umfang aus dem Darm ins Blut übergehen, dort aber sofort neutralisiert werden. Die meisten Lektine sind darüber hinaus nicht blutgruppenspezifisch, würden also jeden betreffen. Lektine finden sich in zahlreichen pflanzlichen Lebensmitteln, vor allem in Kartoffeln und Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Linsen, die ohnehin nur gekocht verzehrt werden sollen. Durch Erhitzen werden die Lektine zerstört. Epidemiologische Studien haben keinen Zusammenhang zwischen Blutgruppe und Körpergewicht zeigen können.


Geno-Typ-Diät

Auch diese Diätform findet sich im Angebot sowohl persönlicher Trainer (Personal Coach) als auch von Naturheil- und Ernährungsberatungspraxen. In der Regel werden die Gene mittels Speichelprobe von einem darauf spezialisierten Labor untersucht; die Beratung erfolgt durch den Anbieter. Beim MetaCheck® werden sieben Gene untersucht. Dabei wird angenommen, dass es vier verschiedene Meta-Typen gibt: Alpha (α), Beta (β), Gamma (γ) und Delta (δ). Jeder Meta-Typ soll die Hauptbestandteile der Nahrung (Kohlenhydrate, Proteine und Fette) unterschiedlich verarbeiten.

Zusätzlich soll es für jeden dieser Meta-Typen eine von zwei Sportvarianten geben, nämlich Ausdauer (E wie "Endurance") und Schnelligkeit (S wie "Speed"). Die Anbieter gehen davon aus, dass die passende Sportvariante einen besonders effektiven Kalorienverbrauch während des Trainings hervorruft. Für jeden Meta-Typ gibt es spezielle Ernährungspläne und Rezepte sowie Empfehlungen gemäß der ermittelten Sportvariante. Typ Delta E beispielsweise kommt danach gut mit Zucker, Weißmehl, Nudeln und Fetten klar, sollte aber bei Fisch, Fleisch und Milchprodukten sparsam sein. Sportlich wären Ausdauersportarten wie Jogging, Walking, Schwimmen und Rudern geeignet.

Nach Angaben der Anbieter soll die Wahrscheinlichkeit für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion um das 2,5-fache steigen, wenn die Meta-Typen-Empfehlungen konsequent eingehalten werden. 

Die DNA-Untersuchung ist nur einmal nötig. Sie kostet – inklusive persönlicher Beratung – circa 200-350 Euro. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Unsere Bewertung

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Diät, die an das genetisch vorgegebene Stoffwechselprofil angepasst ist, besser ist als eine ganz normale Diät - zumal die Auswertung auf einige wenige Gene beschränkt ist. Letztendlich ist das Kaloriendefizit entscheidend für die Gewichtsabnahme. Gentests ohne persönliche, fachlich fundierte oder ärztlich begleitete Beratung sind unserer Meinung nach fahrlässig. Besonders kritisch ist zu sehen, wenn neben der eigentlichen Genanalyse angeblich individuell nötige Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden.

Die Gesellschaft für Humangenetik (GfH) schätzt die möglichen Gefahren einer Fehl- oder Überinterpretation derartiger Gentests für die Verbraucher wesentlich höher ein als den beworbenen Nutzen.

Wer einen solchen Gentest ausprobieren möchte, sollte auf jeden Fall darauf achten, dass er anschließend von qualifiziertem Personal (Ernährungsmediziner, Ökotrophologin, Diätassistent) beraten wird und später bei Bedarf weitere Beratungstermine bekommen kann. Die Beratungen sind auch per Telefon oder Internet-Videotelefon möglich. Wer aufgrund des Gen-Tests mit einer neuen Sportart liebäugelt, sollte sich idealerweise ebenfalls durch einen Fachmann einführen lassen. Anbieter von Gentests, die ihren Kunden keine persönliche, fachlich fundierte oder ärztlich begleitete Beratung anbieten, handeln grob fahrlässig: Denn ohne Einordnung der Ergebnisse können diese die Betroffenen verunsichern und überfordern.


Metabolic Balance®

Metabolic Balance ist ein Ernährungskonzept, das auf den individuellen Stoffwechsel abgestimmt sein soll. Angeboten wird das Programm in Kosmetikstudios und Apotheken, von Heilpraktikern, Ärzten, persönlichen Trainern und "Ernährungsberatern nach metabolic balance®". Für jeden Teilnehmer wird ein individueller Ernährungsplan auf Basis von Anamnesedaten (Gewicht, Größe, Vorerkrankungen), Blutlaborwerten (großes Blutbild) und persönlichen Vorlieben (besondere Ernährungsweisen) erstellt. 

Mit diesem an den Stoffwechsel angepassten Ernährungsplan sollen sowohl Fettpolster verschwinden als auch Vitalität und Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Es handelt sich um eine kalorienreduzierte Mischkost mit erhöhtem Eiweißanteil. Die Eiweißmengen liegen nach Anbieterangaben bei 0,8-1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Es werden nur kleine Mengen Kohlenhydrate mit niedrigem glykämischem Index angeboten. Nach den Ernährungsplänen von Verbrauchern, die uns vorliegen, werden in den ersten 14 Tagen circa 950-1.050 Kilokalorien (kcal) pro Tag aufgenommen, bei stark adipösen Teilnehmern aber auch mehr als 2.000 kcal.

Nach einer zweitägigen Vorbereitungsphase folgt die strenge Phase mit drei Mahlzeiten täglich, wobei sich die Auswahl der Lebensmittel exakt nach den auf dem individuellen Plan angegebenen Produkten und Mengen zu richten hat. Zwischen den Mahlzeiten müssen mindestens fünf Stunden Pause liegen; nach 21 Uhr darf nichts mehr gegessen werden. Jede Mahlzeit beginnt mit dem angegebenen Eiweißanteil; Obst muss immer am Ende der Mahlzeit verzehrt werden. Die persönliche tägliche Wassermenge (unter Umständen bis zu vier Liter) muss getrunken werden. Alle Mahlzeiten bestehen aus einer Eiweiß- (zum Beispiel Joghurt, Fleisch, Fisch) und einer Gemüse- oder Obst-Komponente. In den uns vorliegenden Plänen mit 950-1050 kcal liefern 2-3 Scheiben Roggenknäckebrot pro Tag und festgelegte Obstmengen die Kohlenhydrate. Aus jeder der elf "Eiweißgruppen" darf nur einmal täglich etwas verzehrt werden.

Die Kosten liegen je nach gewähltem Modul, Art der Betreuung (Gruppen-/Einzelbetreuung) und Zeitraum (3 -12 Monate) zwischen 300 € und 840 €. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten diese Ausgaben nicht.

Unsere Bewertung

Der Speiseplan erscheint sowohl in der Lebensmittelauswahl als auch kalorisch sehr eingeschränkt (nach Anbieteraussage wird lediglich der Grundumsatz abgedeckt). Die Ernährungsregeln sind sehr streng, die strikten und mengenmäßig sehr detaillierten Zuweisungen an Lebensmitteln (grammgenau in der strengen Phase) für uns nicht nachvollziehbar.

Unsere wesentlichen Kritikpunkte:

  • Die "persönlichen" Empfehlungen, für den einen Mozzarella und Papaya, für den anderen Ricotta und Rhabarber, sind wissenschaftlich nicht nachzuvollziehen.
  • Ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den ermittelten Blutwerten und einem Gewichtsverlust gibt, ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt.
  • Es gibt keine saisonale Lebensmittelauswahl; sehr häufig werden exotische Früchte empfohlen.
  • Lebenslanges Durchhalten erscheint nur schwer möglich.
  • Nicht wirklich familiengeeignet, selbst wenn zu allen Mahlzeiten für die anderen Familienmitglieder Beilagen wie Brot, Reis, Nudeln oder Kartoffeln gereicht werden.
  • Vorgegebene Ernährungspläne fördern unserer Ansicht nach die Passivität des Abnehmwilligen, statt seine Handlungskompetenz und Eigenverantwortlichkeit zu stärken.

Metabolic Typing

Auch diese Stoffwechsel-Diät folgt dem Motto: Manche werden dick von Milch und Fleisch, andere nehmen davon ab. Beim Metabolic-Typing werden hauptsächlich drei Stoffwechsel-Merkmale untersucht: der Einfluss des Nervensystems, das Verbrennungstempo und der jeweilige Drüsentyp. Unterschieden werden dabei parasympatischer (beruhigender) oder sympathischer (anregender) Einfluss des Nervensystems, "Langsamverbrenner" (Betatyp) oder "Schnellverbrenner" (Glykotyp) sowie die Drüsentypen "Schilddrüsentyp", "Hypophysentyp", "Nebennierentyp" und bei Frauen der "Eierstocktyp". Damit sollen bestimmte Vorlieben für Lebensmittel und die Fettverteilung im Körper erklärt werden können. Auch die Blutgruppe, der Säure-Basen-Haushalt und einige weitere Parameter können in die Berechnung der individuellen Stoffwechsel-Diät einfließen.

Je nach Anbieter werden diese Werte durch unterschiedliche Methoden ermittelt, häufig aber mittels eines speziellen elektromagnetischen Diagnosegeräts. Ein Computerprogramm berechnet dann einen persönlichen Ernährungsplan mit genauen Lebensmittelempfehlungen und Rezepten. Es wird geraten, die Untersuchungen regelmäßig zu wiederholen.

Neben der Geräte-Variante gibt es auch spezielle Ratgeber. Mittels eines umfangreichen Fragebogens zum Selbstauswerten soll man ganz einfach seinen Stoffwechseltyp (Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Misch-Typ) herausfinden können. Der Eiweiß-Typ soll viel Fett und Eiweiß (in Form von Fleisch, Leber) und wenig Kohlenhydrate essen, der Kohlenhydrattyp wenig Fett und wenig Eiweiß, letzteres hauptsächlich in Form von fettarmen Milch- und Eiprodukten. Beim Mischtyp sollen die drei Hauptnährstoffe in nahezu gleichem Verhältnis zueinander aufgenommen werden. Die Kosten für die Erstuntersuchung (ab 250 €) übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nicht.

Unsere Bewertung

Die Gewichtsabnahme erscheint weniger durch die Anpassung des Stoffwechsels als vielmehr durch den Ausschluss kalorienreicher Lebensmittel und die bessere Sättigung infolge einer eiweißreichen Ernährung zu erfolgen.

Die Lebensmittel-Empfehlungen folgen oft den allgemein gültigen Regeln für eine gesunde Ernährung, sprich Weizenmehl, Zucker, geschälten Reis und Alkohol in Maßen. Negativ: Diese Diät verbietet bestimmten Stoffwechseltypen auch den Verzehr von empfehlenswerten Lebensmitteln. So soll der Schilddrüsentyp auf Obst und Obstsäfte verzichten, dafür aber sehr eiweißreich, also fleischlastig essen. Es entsteht der Eindruck, dass die Gewichtsabnahme nicht durch die spezielle Anpassung des Stoffwechsels, sondern durch den Ausschluss kalorienreicher Lebensmittel und die bessere Sättigung infolge einer eiweißreichen Ernährung erfolgt. Für die Funktionsweise und Genauigkeit der Diagnosegeräte konnten keine wissenschaftlichen Nachweise gefunden werden.


Immun-/Allergie-Diäten

Bei dieser Diät geht man davon aus, dass die Ursache des Übergewichts eine individuelle Lebensmittelunverträglichkeit ist.
Mehr Informationen zur Immun-/Allergie-Diät finden Sie hier.


 

Max-Planck-Diät

Es handelt sich um einen strengen, aber nicht individuellen Diätplan für eine Woche, der danach noch einmal wiederholt wird. Angeblich soll durch diese spezielle Diät der Stoffwechsel dauerhaft angekurbelt werden, der Körper mehr Kalorien verbrennen als je zuvor. Binnen 14 Tagen soll es zu einer enormen Gewichtsreduktion (bis zu 9 Kilogramm) kommen, und durch die Umstellung des Stoffwechsels soll eine erneute Gewichtszunahme für drei Jahre gestoppt werden.

Insgesamt handelt es sich um eine sehr eiweißreiche, extrem fettarme und äußerst kohlenhydratarme Kost, die vor allem aus gekochten Eiern, Steaks und gekochtem Schinken besteht. Je nach Tag dürfen Spinat, grüner Salat und Sellerie, Salat und Tomaten, Möhren und Schweizer Käse, Tomaten oder Obst in beliebiger Menge gegessen werden. An vier von sieben Tagen ist morgens ein trockenes Brötchen (sogar Vollkorn) erlaubt; die restlichen Frühstücke bestehen aus schwarzem Kaffee oder Tee mit Zitrone. An einem Abend darf beliebig viel Naturjoghurt mit Obst gegessen werden – das einzige Milchprodukt in der ganzen Woche. Verboten ist in dieser Zeit jeglicher Alkohol.

Unsere Bewertung

Durch die extreme Kalorienbeschränkung – nur 400-800 Kilokalorien (kcal) täglich – verliert man kurzfristig stark an Gewicht. Sich länger als zwei Wochen auf diese Weise zu ernähren, birgt die Gefahr gesundheitlicher Schäden.

Angeblich wurde diese Diät von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Ernährung entwickelt. Tatsache ist, dass es gar kein solches Institut gibt. Vor vielen Jahren gab es ein Institut für Ernährungsphysiologie; seit fast zehn Jahren heißt es "Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie" mit Sitz in Dortmund. Die Wissenschaftler dort distanzieren sich seit fast 20 Jahren von diesem Diätplan, doch er kursiert immer noch. Physiologisch ist nicht zu erklären, wie sich durch diese Kost der Stoffwechsel langfristig ändern soll. Da diese Diät bereits seit Jahrzehnten kursiert, könnte man sie als Vorgänger der Diäten nach dem Glykämischen Index ansehen.

Da bei dieser Diät nicht gelernt wird, sich auf Dauer anders zu ernähren, dürfte der starke Gewichtsverlust binnen kurzer Zeit wieder eingeholt, wenn nicht sogar das Ausgangsgewicht übertroffen werden (Jo-Jo-Effekt). Da die kargen Mahlzeiten nur zwei Wochen durchgehalten werden sollen, sind echte Nährstoffmängel unwahrscheinlich. Wer sich jedoch länger auf diese Weise ernährt, riskiert Mangelerscheinungen inklusive gesundheitlicher Schäden.

 

Tipp

Die Diätprogramme werden häufig von Physiotherapeuten und Heilpraktikern ohne qualifizierte ernährungswissenschaftliche Ausbildung angeboten. Eine individuelle Ernährungsberatung sollte immer bei einem zertifizierten, von Krankenkassen "zugelassenen" Ernährungsberater erfolgen. Die Kosten für eine solche qualifizierte Beratung werden - mit einer ärztlichen Bescheinigung über die Notwendigkeit - von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.