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Inkontinenzhilfen: Verärgert über Versorgung

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Die Lieferung der Vorlagen läuft keineswegs immer reibungslos.

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Menschen mit Blasenschwäche brauchen spezielle Vorlagen (Inkontinenzhilfen), um uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Wenn aufgrund einer Erkrankung diese oder andere Hilfsmittel erforderlich sind, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Versorgung über den Fachhandel – vorausgesetzt es existiert ein Vertrag zwischen einer Kasse und einem Händler über diese Leistung. Doch die Lieferung der dringend benötigten Einlagen verläuft nach Aussage von Selbsthilfeverbänden nicht immer reibungslos: Mal dauert die Reaktion auf eine Bestellung zu lange oder bleibt ganz aus. Mal werden die Vorlagen in falscher Anzahl geliefert oder passen nicht und halten nicht ganz dicht. In ihrer Not müssen viele Patienten ihre Einlagen in der nächsten Apotheke selbst kaufen oder einen hohen Eigenanteil für geeignete Hilfen beim Sanitätshaus berappen.

Beantragung und Bezug

Um rauf Kosten der Krankenkassen zu erhalten, benötigen Patienten zunächst eine ärztliche Verordnung. Darin sollten Diagnose, Bezeichnung des verordneten Artikels sowie die benötigte Menge bzw. der Versorgungszeitraum aufgeführt sein. Patienten bekommen die Artikel jedoch nur von Firmen, mit denen die jeweilige Krankenkasse einen besonderen Versorgungsvertrag abgeschlossen hat. In der Regel sind das Orthopädie- und Sanitätshäuser oder auch Apotheken. Auf Rezept darf der jeweilige Vertragspartner regulär nur Produkte aushändigen, die im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen enthalten sind oder die dem Standard entsprechen.

Kostenübernahme

Die gesetzlichen Kassen zahlen für Inkontinenzhilfen den jeweils mit Apotheken oder Sanitätshäusern vereinbarten Betrag – der liegt monatlich meist zwischen 25 und 35 Euro. Patienten müssen sich jedoch mit zehn Prozent oder maximal zehn Euro pro Monat an den Kosten beteiligen - Ausnahme: Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres. Wer eine Einlage von einem Sanitätshaus bezieht, das keinen Vertrag mit seiner Kasse hat, muss sämtliche Kosten über den Festbetrag hinaus selbst zahlen. Diese Zuzahlungspflicht gilt auch bei individueller Wahl von Produkten, die qualitativ den verordneten Bedarf übersteigen.

Pflicht des Dienstleisters

Orthopädie- oder Sanitätshäuser dürfen als Vertragspartner einer Kasse keinen Versicherten ablehnen, wenn dieser etwa einen hohen Bedarf an Einlagen hat. Tipp: Hier kann eine ärztliche Begründung des hohen Verbrauchs auf der Verordnung hilfreich sein. Sind Inkontinenzhilfen verordnet, muss das Produkt auch das passende für den Patienten sein. Deshalb müssen die Vorlagen individuell ausgesucht und angepasst werden. Stehen mehrere Modelle zur Auswahl, können Kunden die verschiedenen Varianten testen.

Lieferung und Service

Die Vertragspartner müssen grundsätzlich die vereinbarten Lieferfristen von 24 bis 72 Stunden einhalten. Viele Krankenkassen legen außerdem Wert darauf, dass die Firmen über eine Telefonhotline verfügen, die Vorlagen auf Wunsch bringen, neutrale Kartons benutzen und bei ihrer Lieferung die Lagermöglichkeiten bei den Kunden berücksichtigen. Um gemäß ihrer Bedürfnisse versorgt zu werden, sollten Patienten mit ihrer Krankenkasse den Service-Umfang des Dienstleisters abklären.

Hilfe bei Problemen

Kunden sollten sich bei Konflikten mit dem Fachhändler unverzüglich an ihre zuständige Krankenkasse wenden. Diese muss dafür sorgen, dass die erforderliche Dienstleistung erbracht wird und ihre Versicherten die erforderlichen Hilfen kurzfristig sowie in richtiger Menge und Qualität erhalten. Lässt sich die Situation nicht kundenfreundlich regeln, können Versicherte den Anbieter auch wechseln. Die meisten Kassen haben Verträge mit mehreren Händlern.