Ab dem 1. Juni 2021 finden wieder persönliche Beratungen mit vorheriger Terminvergabe statt. Welche Beratungsstellen geöffnet sind und wie Sie uns erreichen, finden Sie hier.

Wie wird Karies behandelt?

Stand:

Bei einem defekten Zahn durch Karies, wird der Zahn mit einer Füllung restauriert, um die weitere Zerstörung durch Bakterien zu verhindern. Die Versorgung hängt vom Zahn und von der Tiefe ab. Patienten können wählen zwischen Amalgam, Kunststoff-Mischungen oder Inlays aus Keramik oder Gold.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Karies ist bei Kindern und Jugendlichen deutlich zurückgegangen, aber insgesamt immer noch weit verbreitet.
  • Unterschieden wird zwischen beginnender und tiefer Karies.
  • Kunststoff-Füllungen (sog. Komposite) sind optisch unauffälliger als Amalgam, haben aber auch Nachteile.
Off

Wie entsteht Karies?

Durch Speisereste bildet sich im Mund schnell Zahnbelag, auch Plaque oder Biofilm genannt. Diese Bakterienmasse verhärtet mit der Zeit  und bildet den Zahnstein. Die Bakterien ernähren sich vor allem von Zucker, den sie in Säuren umwandeln. Die Säuren entkalken (entmineralisieren) den Zahnschmelz. Wird diese äußere Zahnschicht porös, dringen die Bakterien in den Zahn ein und können ihn bis auf die Wurzel zerstören.

Der Speichel kann zwar kleinere Schäden reparieren, weil er wieder Mineralstoffe die Zähne einlagern kann. Wer aber seine Zähne durch üppigen Zuckerkonsum und schlechte Zahnpflege sehr oft und sehr lange diesen Säuren aussetzt, stört das Gleichgewicht zwischen Entkalkung und Reparatur. Eine gesunde Ernährung ist die beste Vorsorge zur Kariesvermeidung.

Im Durchschnitt ist bei zwei von zehn Zwölfjährigen einer oder mehrere Zähne durch Karies geschädigt. In den 1980er Jahren waren in dieser Altersgruppe durchschnittlich sieben Zähne kariös. Bei Erwachsenen zwischen 35 und 44 sind heute im Schnitt etwa 11 Zähne von Karies befallen, gefüllt, überkront oder fehlen. Auf die Beseitigung von Kariesschäden entfällt der größte Anteil der Behandlungskosten in der Zahnmedizin.

 

Karies in vier Stufen
Abbildung: bilderzwerg / Fotolia.com

 

Wie wird Karies behandelt?

Je früher Karies entdeckt wird, desto weniger Zahnsubstanz muss geopfert werden. Karies im Frühstadium ist erkennbar an weißen oder braunen Flecken auf den Zähnen, dann kann es ausreichen, wenn der Zahnarzt ein Gel oder einen Lack mit Fluorid aufträgt, das die Wiedereinlagerung der Mineralstoffe der Zähne fördert. Zuhause sollten die Zähne von allen Seiten mit fluoridhaltiger Zahnpasta zweimal täglich für je zwei Minuten geputzt werden.

Eine moderne minimal-invasive Methode bei beginnender Karies ist die Infiltration. Dabei füllt der Zahnarzt die porösen Stellen mit flüssigem Kunststoff, der anschließend ausgehärtet wird. Dies blockiert die Kariesbakterien und ein Fortschreiten der Karies wird verhindert. Klinische Studien zur Kariesinfiltration [1, 2] bestätigen, dass das Verfahren die Kariesentwicklung hemmt und somit die frühen selbst zu tragenden Kosten durch spätere Ersparnis und Zahngesundheit wieder einbringt.

Eine fortschreitende Karies dringt weiter ins Zahninnere ein. Dann entstehen richtige Löcher, fachlich Kavität genannt. Um die zerstörten Zahnteile zu entfernen, werden sie ausgebohrt und anschließend mit Füllungen versorgt. Ist der Zahn stärker beschädigt, kann eine Teilkrone oder Krone nötig sein. Wenn bereits die Zahnnerven geschädigt sind, muss meist eine Wurzelkanalbehandlung gemacht werden.

Welche Füllungen gibt es?

Zahnfüllungen können aus Amalgam, Kunststoff-Mischungen, Keramik oder aus einer Goldlegierung gemacht werden.

Amalgam hat Vorteile. Es ist preiswert, gut zu verarbeiten, lange haltbar und eignet sich vor allem für große Defekte im Seitenzahnbereich. Die Mischung aus Quecksilber, Silber, Zinn und Kupfer ist sehr gut untersucht. Es gibt keine wissenschaftlichen Nachweise dafür, dass Amalgamfüllungen das Krebsrisiko erhöhen oder mit chronischen oder degenerativen Erkrankungen in einem ursächlichen Zusammenhang stehen, dies betont auch die Bundeszahnärztekammer.

Nach  der EU-Quecksilberverordnung darf Amalgam seit dem 1. Juli 2018  nicht mehr für zahnärztliche Behandlungen von Milchzähnen, bei Kindern unter 15 Jahren und bei schwangeren oder stillenden Patientinnen verwendet werden.
Weiterlesen: Positionspapier der Bundeszahnärztekammer vom Juni 2018.

In diesen Fällen übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für Kunststofffüllungen im Seitenzahnbereich.Zuvor galt dies nur bei Personen mit einer nachgewiesenen Allergien gegen Amalgam und bei einer schweren Niereninsuffizienz. Eine Erneuerung alter Amalgamfüllungen sollte jedoch gut geprüft werden. Denn bei jedem Füllungsaustausch geht weitere gesunde Zahnsubstanz verloren. Und den Austausch intakter Füllungen übernehmen gesetzliche Kassen grundsätzlich nicht.

Im Frontzahnbereich übernehmen die Krankenkassen dagegen ohnehin die Kosten für zahnfarbenen Kunststofffüllungen, auch Komposit genannt. Die Kassenleistung umfasst die Einschicht-, nicht die Mehrschichttechnik. Bei größeren Zahnschäden ist die Mehrschichttechnik von Vorteil: Das Kompositmaterial wird Schicht für Schicht in den Zahn eingebracht und jede Schicht wird gehärtet. Komposit besteht nur zu etwa 20 Prozent aus Kunststoff, der Rest ist Keramik und Quarz.

Einlagefüllungen, Inlays genannt, werden nach einem Abdruck im Labor oder mittels neuer Computertechnik in der Praxis passgenau gefertigt und dann in einem Stück eingesetzt. Sie können aus Goldlegierungen, Nicht-Edelmetall-Legierungen oder aus Keramik bestehen und sind die teuersten Versorgungsvarianten.

 

Mehr zum Thema

Zahnärztliche Füllungsmaterialien (PDF) - Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (dgzmk), Stand: 2017

Füllungsvarianten - Informationen der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KZBV)

 

Quellen:

1. Approximale Kariesinfiltration – Update nach zehn Jahren, Heft 20/2019

2. Dorri, M., et al., Micro-invasive interventions for managing proximal dental decay in primary and permanent teeth. Cochrane Database Syst Rev, 2015(11): p. CD010431.