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Wie baut ein ETF einen Index nach?

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ETFs bilden in aller Regel nur die Wertentwicklung eines Börsenindex ab. Für den Nachbau (fachsprachlich "Replikation") nutzen Fondsgesellschaften vor allem zwei Verfahren: die volle und die synthetische Replikation.

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So funktioniert die volle Replikation

"Volle Replikation" bedeutet, dass ein ETF tatsächlich alle Wertpapiere besitzt, die auch in dem Index enthalten sind, den der Fonds abbildet. Verfolgt ein voll replizierender ETF also die Wertentwicklung des DAX, dann enthält er zu jeder Zeit 30 Aktien. Der Anteil jeder einzelne Aktie am Fondsvermögen ist genauso groß wie die Gewichtung dieser Aktie im Index.

Die Zusammensetzung von Indizes ändert sich in regelmäßigen Abständen: Aktien werden neu aufgenommen oder verlassen einen Index. Wenn das passiert, vollzieht der ETF die Bewegungen im Index nach - durch den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Das geschieht allerdings nicht allzu häufig. Die Zusammensetzung des deutsche Leitindex DAX etwa wird viermal jährlich überprüft.

Der größte Nachteil dieses Verfahrens zur Abbildung eines Index sind die Kosten - vor allem bei Indizes, die sehr viele verschiedene Aktien enthalten. So besteht der europäische Aktienindex DJ Stoxx 600 seinem Namen gemäß aus 600 Einzelaktien. Der MSCI World umfasst sogar mehr als 1.600 Werte. Zur Abbildung solcher Indizes müssen Fonds also relativ häufig Aktien kaufen und verkaufen - und dabei Gebühren und andere Kosten in Kauf nehmen. Hinzu kommen mögliche Nachteile durch die Besteuerung von Dividenden oder die Verzögerung von Dividendenzahlungen an den Fonds, die den Index selbst nicht betreffen. All dies kann negative Auswirkungen auf die Wertentwicklung haben.

So funktioniert die synthetische Replikation

Diese Probleme soll das Verfahren der synthetischen, also künstlichen Replikation lindern. Es dient dazu, einen Index abzubilden, ohne die Wertpapiere tatsächlich zu besitzen, die in dem Index enthalten sind. In der Praxis bedeutet das: Ein ETF, der den DAX abbildet, muss keine einzige Aktie besitzen, die im DAX enthalten ist. Er kann zum Beispiel komplett aus japanischen Aktien bestehen.

Wie schafft er es dann aber, die Entwicklung des DAX nachzuvollziehen? Dazu dient der so genannte Swap. Das ist eine Vereinbarung, die der ETF mit einer Bank abschließt - meist mit der Muttergesellschaft des Fondsanbieters. Durch diese Vereinbarung garantiert der Vertragspartner dem Fonds zu jeder Zeit die Wertentwicklung des abzubildenden Index. Und dafür erhält er die Wertentwicklung des Wertpapierkorbes, den der Fonds tatsächlich besitzt. Ein Swap ist also letztlich ein Tausch - und das ist auch die deutsche Bedeutung des englischen Wortes "Swap".

Die synthetische Replikation soll also die Kosten der Indexabbildung senken. Doch die Methode hat auch Nachteile. Einer ist, dass das komplizierte Verfahren nur schwer verständlich ist und viele Anleger daher misstrauisch gegenüber synthetisch replizierenden ETFs sind. Ein weiterer Nachteil ist, dass der Swap-Vertragspartner zahlungsunfähig werden könnte - und in diesem Fall kann ein Teil des Fondsvermögens verlorengehen. Dieser Teil ist aber durch rechtliche Vorgaben auf höchstens zehn Prozent des Fondsvermögens begrenzt. Zudem versuchen die Fondsgesellschaften das Risiko weiter zu begrenzen, indem für die Swap-Vereinbarungen Sicherheiten hinterlegt werden. In der Praxis bedeutet dies: Die Wahrscheinlichkeit, dass Anleger durch den Einsatz von Swaps Nachteile erleiden, ist sehr gering und in der Regel zu vernachlässigen. Wenn Sie trotzdem auf den Einsatz von Swaps verzichten wollen, haben Sie besonders bei den gängigen Indizes die Möglichkeit einen Indexfonds auszuwählen, der auf eine synthetische Nachbildung verzichtet.