Was tun mit der Ü20 PV-Anlage, wenn die EEG-Förderung endet?

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Für die ersten Photovoltaikanlagen läuft Ende 2020 die EEG-Förderung aus. Denn die gilt pro Anlage gesetzlich garantiert nur für 20 Jahre. Wir zeigen, was Sie mit Ihrer Ü20-Anlage ohne gesetzlich garantierte Vergütung tun können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der bisherige Netzbetreiber muss nach geltender Rechtslage bei Ü20-Anlagen nicht länger den Strom abnehmen. Möchten Sie weiterhin Solarstrom ins Netz einspeisen, müssen Sie sich aktiv um einen neuen Käufer kümmern, also auf "sonstige Direktvermarktung" umsteigen.
  • Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) beabsichtigt, in der anstehenden EEG-Novelle eine Anschlussregelung für Ü20-Anlagen zu beschließen. Diese würde die Wirtschaftlichkeit der Anlage dann beeinflussen – egal ob Sie den Strom komplett oder im Fall von Eigenverbrauch nur teilweise ins Netz einspeisen. 
  • Bevor Sie eine Entscheidung darüber treffen, ob Sie die Anlage weiterbetreiben, sollten Sie diese detailliert von einem Fachbetrieb checken lassen, um die mechanische und elektrische Sicherheit sowie die Leistungsfähigkeit der Photovoltaikanlage zu bewerten. 
  • Ob es sich lohnt, den Solarstrom selbst zu verbrauchen, sollte im Einzelfall geprüft werden, denn auch dies ist mit Aufwand und Kosten verbunden. 
  • Wenn Sie die Anlage auf Eigenverbrauch umstellen, müssen Sie als Betreiber nach aktueller Rechtslage für den selbst verbrauchten Strom die ermäßigte EEG-Umlage (40 Prozent, d. h. etwa 3 Cent pro Kilowattstunde) zahlen.
Eine alte Solaranlage auf einem Hausdach.
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Was bedeutet das Ende der EEG-Förderung?

Wenn Ihre Photovoltaikanlage bis Ende 2000 in Betrieb genommen wurde, läuft die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) am 31. Dezember 2020 aus. Sie erhalten für Ihre Ü20-Photovoltaikanlage nicht länger die gewohnte, gesetzlich garantierte Vergütung. Denn nach der aktuell gültigen gesetzlichen Regelung dürfen diese Anlagen ihren Solarstrom nicht einfach weiter ins Netz einspeisen. Eine pauschale Vergütung ist für diese sogenannten Post-EEG-Anlagen bisher nicht vorgesehen.

Achtung!
Noch immer wird an einer neuen Fassung des EEG 2021 gearbeitet.
Nach aktuellem Stand besteht frühestens am 18.12.2020 Klarheit darüber, welche Rahmenbedingungen für Ü20-Anlagen künftig gelten sollen.
Bitte informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen; wir aktualisieren unsere Informationen für Sie im neuen Jahr 2021.

Es gibt kein einfaches "Weiter so"

Obwohl viele Anlagen auch nach 20 Jahren noch gut funktionieren, dürfen sie nach aktueller Rechtslage nicht einfach weiter ins Netz einspeisen. Ü20 PV-Anlagen sollen demnach erst dann ins Netz einspeisen dürfen, wenn Sie einen neuen Abnehmer für den Solarstrom gefunden haben.

Aktuell stünden Sie in der Pflicht, sich über die "sonstige Direktvermarktung" aktiv einen Käufer für Ihren PV-Strom zu suchen. In der Praxis  ist das ein Dienstleister, der sogenannte Direktvermarkter. Erschwerend ist, dass nur wenige dieser spezialisierten Direktvermarkter an kleinen Anlagen interessiert sind, weil die Strommengen aus deren Sicht gering sind.

Direktvermarktung lohnt sich für kleine Anlagen nicht

Ein weiteres Dilemma ist, dass Sie als Betreiber einer kleinen Ü20 PV-Anlage aktuell keinen finanziellen Anreiz haben, an der "sonstigen Direktvermarktung" teilzunehmen. Denn dazu müsste die Anlage technische Voraussetzungen erfüllen, die für Sie mit hohen Kosten verbunden sind. Dazu zählen die Kosten für die Viertelstundenmessung und Bilanzierung der Ist-Einspeisung, der Fernsteuerbarkeit der Anlage und des Vermarktungsentgelts.

Alles in allem übersteigen diese Kosten voraussichtlich die erzielbaren Einspeiseerlöse. Letztere entsprechen dem schwankenden Marktwert Solar, dessen Jahresdurchschnittswerte in den vergangenen 3 Jahren zwischen circa 3,5 Cent/kWh und 4,5 Cent/kWh lagen. Im Jahr 2020 liegt der Monatsmarktwert Solar mehrfach sogar unter 2 Cent/kWh. Speist eine Anlage beispielsweise 2.000 Kilowattstunden im Jahr ins Netz, wären das nur 40 Euro. Nicht vergessen sollten Sie die Betriebskosten der PV-Anlage für Anlagenchecks, Wartungen, Reparaturen oder Reinigungen. Bliebe es bei der bisherigen Regelung, müssten Sie für jede ins Netz eingespeiste kWh buchstäblich noch Geld mitbringen.

Forderung nach einfacher Anschlussregelung für Post-EEG-Anlagen

Zu den diskutierten Forderungen an die Politik gehören zum Beispiel eine unbürokratische "kleine" Direktvermarktung oder eine einfache Anschlussregelung. Als Diskussionsgrundlage dienen im Weiteren die Gutachten im Auftrag des Umweltbundesamts  sowie das vom Solarenergie‐Förderverein Deutschland e.V. durchgeführte.

Zeit für Anlagencheck nutzen

Möchten Sie Ihre Ü20-Anlage weiter betreiben und wurde diese schon länger nicht mehr sicherheitstechnisch überprüft, ist es jetzt höchste Zeit dafür. Das Ergebnis sollte Antworten auf folgende Fragen liefern:

  • Wie sicher und leistungsfähig ist Ihre Photovoltaikanlage tatsächlich noch? 
  • Lohnt es sich, den Solarstrom voll einzuspeisen oder die Anlage auf Eigenversorgung umzurüsten?
  • Oder ist es besser, die alte Anlage durch eine neue zu ersetzen, für die Sie dann wieder EEG-Förderung in Anspruch nehmen können? 

Als Betreiber einer Photovoltaikanlage sind Sie für die Sicherheit und den Schutz vor Gefahren durch diese Anlage verantwortlich. Um im Schadensfall nicht für Versäumnisse belangt zu werden, muss eine Fachperson in bestimmten Zeitabständen dokumentieren, dass sie die Photovoltaikanlage kontrolliert und geprüft hat.

Die Wartezeiten im PV-Handwerk sind unter Umständen lang. Wir empfehlen Ihnen, den Anlagencheck bald zu beauftragen. Wird die Anlage fachkundig und umfassend überprüft, sollten Sie mit Kosten von etwa 250–300 Euro rechnen. Analog zur regelmäßigen Hauptuntersuchung beim Auto sollte Ihnen das die Sicherheit und Leistungsfähigkeit Ihrer PV-Anlage wert sein.

Auch für Ü20 PV-Anlagen gelten Fristen 

  • Nach geltender Rechtslage müssen Sie Ihrem Netzbetreiber bis zum 30. November 2020 mitteilen, ob und in welcher Vermarktungsform die Anlage ab Januar 2021 ins Netz einspeist. 
  • Bis zum 31. Januar 2021 müssen Sie Ihre Anlage noch ins Marktstammdatenregister eintragen. Diese Pflicht gilt für alle PV-Anlagen – also auch wenn Sie keine EEG-Vergütung mehr erhalten. Eintragen müssen sie auch künftig technische Änderungen an der Anlage, einen Betreiberwechsel, den Wechsel der Einspeiseart, sprich den Wechsel von Voll- zur Überschusseinspeisung und die Stilllegung. 
  • Stellen Sie auf Eigenverbrauch um, müssen Sie jeweils bis zum 28. Februar des Folgejahres dem örtlichen Netzbetreiber (Verteilnetzbetreiber) die selbst erzeugte und verbrauchte Solarstrommenge mitteilen, damit dieser Ihnen die EEG-Umlage in Rechnung stellen kann. Das gilt, solange die nach Förderende nun geltende Umlagepflicht von 40 Prozent der jährlichen EEG-Umlage auf den eigenen Verbrauch bestehen bleibt.

Ist es sinnvoll, auf Eigenverbrauch umzustellen?

Der Reiz des Eigenverbrauchs liegt darin, dass Sie weniger vom teuren Strom aus dem Netz beziehen müssen und so einen Teil Ihrer bisherigen Stromkosten einsparen. Jede erzeugte Kilowattstunde (kWh), die Sie im Haushalt selbst verbrauchen, kostet Sie bei einer wirtschaftlich abgeschriebenen Ü20-Anlage zunächst nur die Ausgaben für den laufenden Anlagenbetrieb: hauptsächlich für Checks, Wartung, Reparaturen, Reinigung und Zählerkosten.

Die Versicherung Ihrer Photovoltaikanlage sollte immer geklärt sein: Melden Sie die Anlage immer bei Ihrer Gebäudeversicherung und bei Ihrer Privathaftpflicht oder Gebäudehaftpflichtversicherung an. Dort können Sie in der Regel die Anlage und das von ihr ausgehende Risiko für wenige Euro oder sogar kostenlos mitversichern lassen. Falls Sie für ihre alte Photovoltaikanlage noch eine spezielle Elektronikversicherung (Photovoltaikversicherung) haben, zahlen Sie dafür jährlich einen vergleichsweise hohen Beitrag. Nach Ablauf der EEG-Vergütung ist das wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, Sie sollten diese Spezialversicherung also jetzt kündigen.

Kosten für Umstellung auf Eigenverbrauch einkalkulieren

Alte Photovoltaikanlagen speisen den Solarstrom in der Regel vollständig ein. Damit Sie den Solarstrom künftig vorrangig selbst verbrauchen können, muss die Photovoltaikanlage im Zählerschrank umgeklemmt werden, so dass der Solarstrom direkt in die Stromkreise des Hauses fließen kann. Die elektrotechnischen Arbeiten müssen durch einen Fachbetrieb ausgeführt werden und kosten im einfachsten Fall ab 200 Euro. Ist die Umstellung mit größerem Modernisierungsaufwand an der Elektroinstallation verbunden, kann es auch deutlich teurer werden. Mit dem Einbau eines Batteriespeichers und eines meist nötigen, neuen Zählerschranks können die Kosten (ohne den Batteriespeicher selbst) bis auf 2.000 Euro steigen.

Auf Eigenverbrauch umzustellen, lohnt nicht immer und automatisch

Bei kleinen Ü20-Anlagen sparen Sie durch den Eigenverbrauch des Solarstroms häufig nicht so viel, dass sich der Aufwand für Anlagencheck, Umrüstung auf Eigenverbrauch und laufenden Anlagenbetrieb lohnt. Hierbei wird unterstellt, dass Sie die Anlage zehn Jahre lang nach bestandenem Anlagencheck weiterbetreiben.

Entscheidend ist hier nicht ein prozentual, sondern in absoluten Werten hoher, in Kilowattstunden (kWh) erzielbarer eigener Verbrauch des erzeugten Solarstroms. Multipliziert mit dem Arbeitspreis für Strom, errechnen sich so die einsparbaren Stromkosten. Je größer die installierte Leistung der Ü20-Anlage und je höher ein sinnvoll benötigter Stromverbrauch sind, desto besser. Der Eigenverbrauch ergibt sich übrigens immer individuell aus dem Zusammenspiel von Anlagengröße, Stromverbrauch und Nutzerverhalten.

Rechenbeispiel 1 (Abschätzung)  
Ü20 Anlage 2 kWp
Anlagenertrag 850 kWh pro kWp
Erzeugung 1.700 kWh
Eigenverbrauch prozentual 40 %
Eigenverbrauch absolut 680 kWh
Stromverbrauch 3.000 kWh
Arbeitspreis 0,27 €/kWh
anteilige EEG-Umlage 0,03 €/kWh
Anlagencheck 300 €
Weiterbetriebsperspektive 10 Jahre

 

Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben im 1. Weiterbetriebsjahr (gerundet)  
Einnahmen  
Ersparnis Eigenverbrauch 185 €
   
Ausgaben  
anteilige EEG-Umlage 20 €
Erzeugungszähler 20 €
jährl. Anteil Anlagencheck 30 €
jährl. Anteil Umstellung 20 €
laufende Betriebskosten 110 €
Summe 245 €
   
Verlust 15 €

 

Rechenbeispiel 2 (Abschätzung)  
Ü20 Anlage 5 kWp
Anlagenertrag 850 kWh pro kWp
Erzeugung 4.250 kWh
Eigenverbrauch prozentual 20 %
Eigenverbrauch absolut 850 kWh
Stromverbrauch 3.000 kWh
Arbeitspreis 0,27 €/kWh
anteilige EEG-Umlage 0,03 €/kWh
Anlagencheck 300 €
Weiterbetriebsperspektive 10 Jahre

 

Gegenüberstellung der Einnahmen und Ausgaben im 1. Weiterbetriebsjahr (gerundet)  
Einnahmen  
Ersparnis Eigenverbrauch 230 €
   
Ausgaben  
anteilige EEG-Umlage 25 €
Erzeugungszähler 20 €
jährl. Anteil Anlagencheck 30 €
jährl. Anteil Umstellung 20 €
laufende Betriebskosten 140 €
Summe 265 €
   
Verlust 5 €

Wenn Ihre Anlage größer ist als im Beispiel und Sie mehr Strom verbrauchen als hier angenommen, ist grundsätzlich auch ein Plus möglich. Die Verluste der Beispiele verdeutlichen zusätzlich, dass für einen wirtschaftlichen Anlagenbetrieb ein Reinerlös für überschüssigen Strom, anstelle der hier nun angenommenen Abregelung, nötig ist.

Möglicherweise spielen wirtschaftliche Aspekte auch nicht immer die ausschlaggebende Rolle. Wenn Ihnen Klimaschutz und Energiewende wichtig sind, "darf" die Anlage auch einfach nur sauberen Strom erzeugen.

Eigenverbrauch steigern, um weniger einzuspeisen oder abzuregeln

Während jede selbst verbrauchte kWh aus einer Ü20-Anlage einen finanziellen Vorteil bringt, kostet Direktvermarktung bei kleinen Anlagen oft mehr als sie bringt. Rein aus finanziellen Erwägungen wäre dann die Nulleinspeisung zu empfehlen.

Bei Nulleinspeisung erzeugt die Photovoltaikanlage keinen Strom über den eigenen Verbrauch hinaus, sondern der Wechselrichter regelt eine mögliche Überschussleistung ab. Dafür ist ein moderner Wechselrichter nötig, der diese Funktion vorsieht und vom Fachbetrieb entsprechend eingestellt wird. Wurde der Wechselrichter in den vergangenen Jahren bereits getauscht, ist diese Funktion in der Regel vorhanden oder nachrüstbar.

Der für die Energiewende und den Klimaschutz benötigte CO2-freie Strom, der eigentlich hätte erzeugt und eingespeist werden können, wird dann aber gar nicht erzeugt. Nulleinspeisung reduziert den Energiewende-Beitrag, den Ü20-Anlagen liefern könnten, und widerspricht damit den politischen Zielen des Gesetzgebers.

Kleine Schritte auf dem Weg mehr Solarstrom selbst zu verbrauchen, können Sie gehen, indem Sie Ihr Verhalten ändern. Dazu zählt beispielsweise, die Wasch- oder Spülmaschine tagsüber bei Sonnenschein laufen zu lassen.

Zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten für Solarstrom einbeziehen

Den Eigenverbrauch an Solarstrom können Sie auch erhöhen, indem Sie weitere Anwendungsbereiche Ihres Haushalts elektrifizieren. Technisch sinnvoll und wirtschaftlich attraktiv kann es bei zentraler Warmwasserbereitung in vielen Fällen sein, einen PV-Heizstab einzusetzen. Sofern sich der vorhandene Warmwasserspeicher nachrüsten lässt, ist der Heizstab eine überlegenswerte Option.

Sie sparen damit meist Gas oder Öl ein und reduzieren Kosten für diese fossilen Energien. Und Sie können im Sommer Ihre Heizung abstellen und schonen dadurch Brenner, Umwälzpumpe und Gebläse. Es kommt zu geringerem Verschleiß.

Große Schritte zur Erhöhung des Eigenverbrauchs gehen Sie mit einem Elektroauto oder Batteriespeicher. Beide Möglichkeiten setzen allerdings größere Investitionen voraus. Ob sich das für Sie lohnt, hängt auch von Ihren individuellen Präferenzen ab. Beim Batteriespeicher ist derzeit fraglich, ob er sich innerhalb seiner Lebensdauer amortisiert.

Eigenverbrauch wird mit EEG-Umlage belastet

Auf die im Haushalt selbst genutzten kWh aus einer Ü20 PV-Anlage müssen Sie nach geltender Rechtslage 40 Prozent EEG-Umlage (aktuell rund 3 Cent pro kWh) bezahlen. Das ergibt sich aus den Vorschriften des § 61 des EEG 2017. Hierzu muss ein zusätzlicher Zähler die Erzeugungsmenge der Photovoltaikanlage erfassen. Dafür entfällt der bisherige Volleinspeisezähler. Sofern für den Strombezug bisher noch ein herkömmlicher Stromzähler im Einsatz war, wird der Messtellenbetreiber einen Zähler neuester Bauart einsetzen, eine sogenannte "moderne Messeinrichtung", die als Zweirichtungszähler sowohl Strombezug als auch Überschuss-Einspeisemenge messen kann. Bei Photovoltaikanlagen mit mehr als 7 Kilowatt Leistung ist sogar vorgesehen, dass ein intelligentes Messsystem eingebaut wird.

Unter Umständen entfällt die anteilige EEG-Umlage bei kleinen Ü20-Anlagen auf kurze bis mittlere Sicht, wenn der Gesetzgeber die Vorgaben der neuen EU-Regelungen zur Eigenversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien umsetzt und den Eigenverbrauch nicht länger mit einer Abgabe wie der deutschen EEG-Umlage belastet.

Erste Angebote von Versorgern als Hoffnungsschimmer?

In jüngster Zeit ist in der Fachpresse von ersten Angeboten einzelner Stromversorger für betroffene Betreiber zu lesen. Demnach sollen Sie für die eingespeiste kWh eine Vergütung in Höhe des Marktwerts Solar erhalten und gleichzeitig ihren restlichen Strom von diesem Anbieter beziehen. Letzteres heißt nichts anderes als den Stromversorger zu wechseln.

Solche Angebote könnten für Anlagenbetreiber die rechtlichen Probleme lösen, wenn sie die Anlage weiterbetreiben, schaffen aber meist eine neue Abhängigkeit vom jeweiligen Anbieter. Bei manchen Angeboten müssen die bisherigen Zähler durch eine aufwändigere Messtechnik ersetzt werden, was zusätzliche Kosten verursachen kann. Derzeit können Sie sich für diese Angebote bei einzelnen Anbietern registrieren lassen. Manche Anbieter arbeiten bundesweit, einige regional.  

Die Altanlage durch eine neue ersetzen?

Falls Sie die Altanlage aus technischen Gründen nicht weiterbetreiben können oder es nicht sinnvoll ist, überlegen Sie, diese durch eine neue, deutlich leistungsstärkere PV-Anlage zu ersetzen. Neue Solarmodule gewinnen auf der gleichen Fläche bis zu doppelt so viel Strom wie die alten. Das ist vor allen Dingen dann lohnenswert, wenn Sie viel Strom verbrauchen oder die Dachfläche groß ist.

Sie erhalten die EEG-Einspeisevergütung, die in dem Monat gültig ist, in dem Sie die Anlage in Betrieb nehmen, wiederum für 20 Jahre. Sie liegt aktuell bei knapp 9 Cent/kWh. Da die Anlagenpreise in den vergangenen 20 Jahren um mehr als 80 Prozent gesunken sind, ist es inzwischen erschwinglich und auch wirtschaftlich sinnvoll, die vorhandene Dachfläche voll zu belegen. Eine Orientierungshilfe zu Anlagenpreisen gibt Ihnen unser aktueller Preisindex.

Funktionstüchtige Altmodule können Sie beispielsweise im Garten, Wochenendhaus oder Wohnmobil für "Inselanlagen" verwenden oder Entwicklungshilfeprojekten zur Verfügung stellen. Es gibt auch immer wieder andere Betreiber, die froh sind, wenn sie solche Altmodule angeboten bekommen, um sie gegen defekte Solarmodule auszutauschen.

Checkliste Was tun mit der Ü20-Photovoltaikanlage?

Wollen Sie Ihre Anlage über das Förderende hinaus weiterlaufen lassen, beauftragen Sie jetzt einen Anlagencheck. 

  1. Prüfen Sie, ob es sich lohnt, den Strom weiterhin ins Netz einzuspeisen oder ihn nach einer Umstellung auf Eigenverbrauch teilweise selbst im Haushalt zu nutzen. 
  2. Warten Sie die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie angekündigte Gesetzesänderung im EEG ab und prüfen Sie dann, ob die Änderungen für Sie Vorteile oder eine Entscheidungshilfe bieten.
  3. Informieren Sie sich, ob ihr Netzbetreiber, der lokale Energieversorger oder ein überregionaler Anbieter für Ihre Anlage eine Lösung anbietet, um die Anlage weiter zu betreiben, und rechnen Sie genau nach, welche Kosten und Vorteile damit verbunden sind.
  4. Denken Sie bitte daran, dass auch für Ü20 PV-Anlagen Fristen gelten, insbesondere die Meldung im Marktstammdatenregister und die Meldung von Energiemengen (Einspeisung und Eigenverbrauch) am Jahresanfang.
  5. Fühlen Sie sich nicht unter Druck gesetzt und in die Ecke getrieben – auch nicht, wenn Ihnen der Netzbetreiber schon die Einspeisung zum 01.01.2021 gekündigt hat. Bewahren Sie Ruhe. Notfalls schalten Sie die PV-Anlage zum Jahreswechsel vorübergehend ab und gewinnen Zeit für die für Sie richtige Entscheidung.