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Strom- und Gasmarkt im Ausnahmezustand: Tipps, Musterbriefe und Beratung

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Das können Sie bei kurzfristigen Kündigungen, Lieferstopps oder Preiserhöhungen tun
Symbolbild für die gestiegenen Energiekosten
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Der Strom- und Gasmarkt befindet sich im Ausnahmezustand. Täglich wenden sich Ratsuchende an die Verbraucherzentrale Thüringen, die sich mit einem der folgenden Probleme konfrontiert sehen:

  1. Lieferstopp und Kündigung durch den Energieanbieter
  2. Die Preise wurden deutlich erhöht.
  3. Die Abschläge wurden außer der Reihe und/oder deutlich erhöht.
  4. Neukunden sollen beim Grundversorger weitaus höhere Gebühren bezahlen als Bestandskunden.

Nach Ansicht der Verbraucherschützer handeln die Energieanbieter aktuell sehr oft unzulässig. „Der Beschaffungspreis auf dem Großmarkt explodiert. Aber das darf kein Grund sein, Kundenrechte zu umgehen oder zu ignorieren“, sagt Claudia Kreft, Energierechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Thüringen. Erste Informationen und Musterbriefe finden Sie in diesem Text.

Wünschen Sie eine Beratung? Unser Beratungsangebot zum Energierecht finden Sie hier

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1. Lieferstopp und Kündigung durch den Energieanbieter

Die Belieferung kurzfristig eingestellt hat unter anderem der Stromversorger Stromio GmbH mit seinen Marken Stromio und Grünwelt Energie. Auch Kunden der Gas.de Versorgungsgesellschaft mbH erhielten in den vergangenen Wochen außerordentliche Kündigungen. Teilweise endete die Belieferung, bevor das Kündigungsschreiben eintraf.

Damit Verbraucher:innen in einem solchen Fall nahtlos weiter Strom und Gas beziehen, greift die automatische Ersatzversorgung. Das bedeutet: Der örtliche Grundversorger springt ein. Sorgen, plötzlich ohne Strom oder Gas dazustehen, muss sich also niemand machen. Dennoch sollten Verbraucher:innen, die von einem kurzfristigen Lieferstopp betroffen sind, handeln.

Denn Versorger dürfen Energieverträge zwar außerordentlich kündigen, aber nur aus einem wichtigen Grund, für den der Kunde die Verantwortung trägt. „Beispielsweise, wenn die oder der Gekündigte seine Rechnungen nicht beglichen hat“, erläutert Claudia Kreft. Die Preisentwicklung auf dem Energiemarkt, mit der die Versorger momentan argumentieren, ist kein solcher (wichtiger und im Risikobereich des Kunden liegender) Grund. Das Einstellen der Versorgung und die Kündigung stellen somit einen Vertragsbruch dar. Ausführliche Infos finden Sie hier: Strom- und Gasanbieter stellen kurzfristig Belieferung ein.

Was Sie bei Lieferstopp und Kündigung tun können: 

Den Energieanbieter auffordern, den Vertrag einzuhalten (Musterbrief)

Fordern Sie Ihren bisherigen Anbieter auf, die Belieferung unverzüglich wieder aufzunehmen und machen Sie Schadensersatz geltend. Beide Forderungen können Sie bereits in Ihrem ersten Brief formulieren. Orientieren Sie sich am besten an diesem Musterbrief der Verbraucherzentralen

Vom Energieanbieter Schadensersatz fordern (Musterbrief)

Der Anbieter hat Ihnen erneut mitgeteilt, dass er den Vertrag nicht erfüllen wird und ihn als gekündigt ansieht? Dann fordern Sie erneut Schadensersatz und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem der bisherige Vertrag ordentlich gekündigt hätte werden können. Orientieren Sie sich am besten an diesem Musterbrief der Verbraucherzentralen. Er unterscheidet sich vom Musterbrief aus dem Textabschnitt oben. 

Einzugsermächtigung widerrufen

Entziehen Sie dem kündigenden Anbieter die Entzugsermächtigung für Ihr Konto.

Einen neuen Anbieter suchen

Suchen Sie einen neuen Energieanbieter. Achten Sie dabei nicht nur auf den Preis, sondern auch auf Kundenbewertungen. Nutzen Sie nicht nur die Vergleichsportale, sondern machen Sie sich auch bei den örtlichen Versorgern schlau. Tipps zum Energieanbieterwechsel finden Sie auf dieser Übersichtsseite. Damit Sie nahtlos weiter Strom bzw. Gas beziehen können, springt erst einmal der Grundversorger ein. Einige Grundversorger unterscheiden aktuell zwischen Neu- und Bestandskunden. Bei den Neukunden werden viel höhere Preise abgerufen als bei den Bestandskunden. Die Verbraucherzentralen halten das für nicht zulässig. Prüfen Sie also in der Grundversorgung unbedingt zügig, zu welchen Konditionen Sie gerade Strom oder Gas beziehen. Unter Umständen ist ein schneller Wechsel nötig. 

Verbraucherbeschwerde und Schlichtungsverfahren

Der bisherige Anbieter reagiert nicht auf Ihre Forderungen? Dann können Sie eine sogenannte Verbraucherbeschwerde formulieren und an Ihren bisherigen Anbieter senden. Füllen Sie dazu dieses Formular der Bundesnetzagentur aus. Senden Sie das ausgefüllte Formular an den Energieanbieter, der Ihnen gekündigt hat. Dieser ist nun verpflichtet, innerhalb von vier Wochen zu reagieren. Geht der Anbieter weiterhin nicht auf Ihre Forderungen ein, können Sie ein Schlichtungsverfahren bei der Schlichtungsstelle Energie einleiten. Den Antrag finden Sie hier. (Die Verbraucherbeschwerde ist Voraussetzung für diesen Schritt.) 

Die Schlichtungsstelle Energie vermittelt bei Streitigkeiten zwischen privaten Verbrauchern und Energieversorgern. Sie arbeitet neutral, unabhängig, unbürokratisch und für private Verbraucher kostenfrei. In der Mehrzahl der Fälle gelingt durch Mitwirken der Schlichtungsstelle eine einvernehmliche Verständigung zwischen Verbrauchern und Energieversorgern.

2. Preiserhöhung

Auch Preiserhöhungsschreiben sind bei den Energieanbietern an der Tagesordnung. Hier sollten Verbraucher:innen aufmerksam sein. Denn die relevanten Informationen werden oft schwammig formuliert oder in Schreiben versteckt, die wie Werbepost aussehen. Beides ist nicht zulässig. Kunden müssen transparent, verständlich und mindestens vier Wochen vorher über eine Preiserhöhung informiert werden. Außerdem müssen die Kunden im Preiserhöhungsschreiben über ihr Sonderkündigungsrecht informiert werden.

Vom Sonderkündigungsrecht können Sie Gebrauch machen bis die neuen Preise gelten. Hier finden Sie einen Musterbrief, wenn Sie Ihr Sonderkündigungsrecht wahrnehmen möchten. Hier ist zusammenfasst, was bei Preiserhöhungen erlaubt ist und was nicht.

Verbraucherbeschwerde und Schlichtungsverfahren

Der bisherige Anbieter reagiert nicht auf Ihre Forderungen? Dann können Sie eine sogenannte Verbraucherbeschwerde formulieren und an Ihren bisherigen Anbieter senden. Füllen Sie dazu dieses Formular der Bundesnetzagentur aus. Senden Sie das ausgefüllte Formular an den Energieanbieter. Dieser ist nun verpflichtet, innerhalb von vier Wochen zu reagieren. Geht der Anbieter weiterhin nicht auf Ihre Forderungen ein, können Sie ein Schlichtungsverfahren bei der Schlichtungsstelle Energie einleiten. (Die Verbraucherbeschwerde ist Voraussetzung für diesen Schritt.) 

Die Schlichtungsstelle Energie vermittelt bei Streitigkeiten zwischen privaten Verbrauchern und Energieversorgern. Sie arbeitet neutral, unabhängig, unbürokratisch und für private Verbraucher kostenfrei. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle gelingt durch Mitwirken der Schlichtungsstelle eine einvernehmliche Verständigung zwischen Verbrauchern und Energieversorgern.

3. Abschlagserhöhung

Eine Methode, um sich bei den Verbraucher:innen einen Kredit zu beschaffen, ist die Erhöhung der monatlichen Abschläge. Generell gilt: Wenn Abschläge erhöht werden, so muss das auch auf einen tatsächlich gestiegenen Verbrauch zurückzuführen sein. Üblicherweise werden die Abschläge im Zusammenhang mit der Jahresabrechnung angepasst. Wer also im vergangenen Abrechnungszeitraum zum Beispiel keinen Familienzuwachs bekommen oder sich kein energiehungriges Gerät angeschafft hat, muss eine Abschlagserhöhung nicht tolerieren.

Bei einer unbegründeten Erhöhung der Abschläge sollten Verbraucher widersprechen und darauf bestehen, dass der Vertrag wie vereinbart weitergeführt wird. Hier lesen Sie, was zu tun ist, wenn der Anbieter die Abschläge erhöht. 

Leider haben Energieanbieter auf Widerspruch in den vergangenen Wochen oftmals mit Kündigungsschreiben reagiert. Diese sind unwirksam. In der Praxis hilft aktuell trotzdem oft nur der Anbieterwechsel. Die Kunden haben ein Recht auf Schadensersatz, wenn sie beim neuen Anbieter mehr bezahlen müssen (siehe oben).

Verbraucherbeschwerde und Schlichtungsverfahren

Der bisherige Anbieter reagiert nicht auf Ihre Forderungen? Dann können Sie eine sogenannte Verbraucherbeschwerde formulieren und an Ihren bisherigen Anbieter senden. Füllen Sie dazu dieses Formular der Bundesnetzagentur aus. Senden Sie das ausgefüllte Formular an den Energieanbieter. Dieser ist nun verpflichtet, innerhalb von vier Wochen zu reagieren. Geht der Anbieter weiterhin nicht auf Ihre Forderungen ein, können Sie ein Schlichtungsverfahren bei der Schlichtungsstelle Energie einleiten. (Die Verbraucherbeschwerde ist Voraussetzung für diesen Schritt.) 

Die Schlichtungsstelle Energie vermittelt bei Streitigkeiten zwischen privaten Verbrauchern und Energieversorgern. Sie arbeitet neutral, unabhängig, unbürokratisch und für private Verbraucher kostenfrei. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle gelingt durch Mitwirken der Schlichtungsstelle eine einvernehmliche Verständigung zwischen Verbrauchern und Energieversorgern.

4. Differenzierung in Neu- und Bestandskunden 

Dass Neukunden beim Grundversorger mehr bezahlen müssen als Bestandskunden halten die Verbraucherzentralen für rechtlich unzulässig. Diese Frage ist aber noch nicht durch eine Gerichtsentscheidung geklärt. Die Verbraucherzentralen versuchen aktuell, eine Klärung herbeizuführen. Zahlen Sie den Neukundentarif unter Vorbehalt und fordern Sie Ihren Versorger auf, Ihren Tarif dem der Bestandskunden anzupassen. (Hier geht es zum Musterbrief.) Durch die Zahlung unter Vorbehalt ermöglichen Sie es, dass der Anbieter Ihnen später die Differenz zum Bestandskundentarif zurückzahlen muss, falls sich die Aufspaltung in Neu- und Bestandskunden als tatsächlich unzulässig herausstellt. Überweisen Sie die Rechnungsbeträge selbst (statt per Einzugsermächtigung) und geben Sie bei den Überweisungen "Zahlung unter Vorbehalt" an. 

Erste Hilfe rund um Energieverträge: 

Telefonische kostenfreie Kurzberatung 
montags von 10 bis 12 Uhr unter (0361) 555 14 78

Nutzen Sie auch unsere Übersichtsseite mit Tipps zu Ihren Energieverträgen