Seit Jahren belegen Umfragen immer wieder, dass die große Mehrheit der Verbraucher/innen keine Gen-Lebensmittel will. Unabhängig von Bildungsgrad oder Nationalität gehen Befragte in der Europäischen Union auf kritische Distanz zur Gentechnik in der Lebensmittelproduktion. Um die Bevölkerung dennoch von den "Vorteilen" der Gentechnik zu überzeugen, stellen die Befürworter häufig Argumente in den Vordergrund, die Gentechnik als die entscheidende Problemlösung erscheinen lassen. Wir zeigen Ihnen, was an den Argumenten dran ist:
Gesündere Lebensmittel?
Bessere und sicherere Lebensmittel?
Lebensmittel ohne Problemstoffe für Allergiker und andere Zielgruppen?
Verbesserungen dank herbizidresistenter Gen-Pflanzen?
Verbesserungen dank insektenresistenter Gen-Pflanzen?
Rezept gegen Hunger und Unternährung?
Schlüsseltechnologie für mehr Arbeitsplätze?
Machen gentechnisch veränderte Lebensmittel unsere Ernährung gesünder?
Gentechnisch veränderte Nahrungspflanzen mit speziellen Eigenschaften finden sich vereinzelt auf dem Weltmarkt, z.B. Soja mit veränderter Fettsäurenzusammensetzung in den USA. Fest steht, dass Gentechnik für eine gesunde Ernährung nicht notwendig ist. In unseren Industrienationen war das Angebot an qualitativ guten Lebensmitteln noch nie so groß und ganzjährig verfügbar wie heute
Nährstoffmangel ist in erster Linie Folge falscher Ernährungsgewohnheiten. Mit Vitaminen und sonstigen Substanzen angereicherte Lebensmittel mit scheinbar gesundheitsfördernden Eigenschaften ("Funktionelle Lebensmittel") werden heute in vielen Variationen angeboten. Bereits ohne gentechnische Herstellungsweise sind sie von zweifelhaftem Nutzen. Es genügt nicht, dass bestimmte Stoffe, bei denen eine positive Wirkung vermutet wird, in Lebensmitteln angereichert werden. Vielmehr muss klar sein, in welchen Mengen die betreffenden Substanzen aufgenommen werden sollen. Von vielen Stoffen weiß man aber gar nicht, bei welcher Menge das Wirkungsoptimum oder gar die Grenze zur Schädlichkeit liegen.
Bessere und sicherere Lebensmittel dank Gentechnik?
Durch verbesserte Lebensmittelhygiene, Qualitätssicherungssysteme, optimierte Nachweismethoden haben unsere Lebensmittel bereits vor Einführung der Gentechnik einen hohen Sicherheitsstandard erreicht. Befürworter des Bt-Mais argumentieren zwar, durch geringere Fraßschäden bei diesem Mais sinke auch der Befall mit Schimmelpilzen und damit auch die Belastung mit den entsprechenden Schimmelpilzgiften (Fumonisinen). Doch konsequente Maßnahmen vom Anbau über Ernte und Lagerung bis zum Transport sichern die Qualität auch bei herkömmlichem Mais.
Macht Gentechnik unsere Lebensmittel frei von "Problemstoffen" für Allergiker und andere Zielgruppen?
Alle Bemühungen, Nahrungspflanzen herzustellen, die frei von Allergie auslösenden Substanzen sind, scheiterten bisher. Es ist zum Beispiel bis heute nicht möglich, allein das Hauptallergen erfolgreich aus dem Reis zu entfernen. Selbst wenn das gelänge, wäre Reis damit nicht allergenfrei, da im Reis mehrere Proteinfraktionen Allergie auslösend sein können. Der Entwicklungszeitraum für solche Produkte zum vermarktungsfähigen Lebensmittel ist derzeit nicht absehbar. Aus Herstellersicht sind diese Investitionen derzeit ökonomisch nicht lukrativ. Es bleibt abzuwarten, ob die künftige Bedienung solcher "Nischenmärkte" ernst gemeintes Ziel oder letztlich nur Akzeptanzbeschaffer für den Einsatz der Gentechnik in der Lebensmittelproduktion bleibt.
Weniger chemische Pflanzenbehandlungsmittel und umweltfreundlicher produzieren –
dank herbizidresistenter Gen-Pflanzen?
Die von Saatgutunternehmen hervorgehobene Einsparung von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden) beim Anbau herbizidresistenter Nutzpflanzen (HR-Pflanzen) ist umstritten. Verschiedene Untersuchungen in den USA zeigen, dass die Ergebnisse von Frucht zu Frucht variieren und von verschiedenen Faktoren abhängig sind, so z.B. den Anbaubedingungen und klimatischen Gegebenheiten am Standort. Neben Einsparungen im Gesamtverbrauch, die häufig von Anbieterstudien dokumentiert werden, sind durchaus gleich bleibende sowie auch erhöhte Spritzmittelaufwendungen beobachtet worden. Zahlen, auf Grundlage der US-Landwirtschaftsbehörde, zeigen eine deutliche Steigerung des Spritzmittelverbrauchs bei Gen-Soja seit Einführung der Gentechnik auf dem Feld.
Wegen des feuchteren Klimas verunkrauten in Deutschland die Felder im Vergleich zu den USA in stärkeren Maße. Ebenso werden die Herbizide schneller ausgewaschen, womit ein höherer Spritzmitteleinsatz verbunden wäre. Selbst wenn die Gesamtmenge der eingesetzten Herbizide reduziert werden könnte, sagt dies wenig über die Entlastung der Umwelt insgesamt aus, denn jedes Herbizid muss in seiner Wirkung individuell bewertet werden. Es liegen aber derzeit keine ausreichenden Daten über die Giftigkeit/Schädlichkeit der Abbauprodukte von Herbiziden vor.
Durch die zunehmende Ausbildung von Resistenzen bei Unkräutern gegen die eingesetzten Herbizide müssen Landwirte nicht nur die Dosis erhöhen, sie müssen auch weitere Spritzmittel anwenden . Eine weitere Folge ist, dass die Gentechnikindustrie Nutzpflanzen entwickelt, die höheren Dosen von Herbiziden standhalten, bzw. multiresistent gegen verschiedene Herbizide sind.
Gentechnik ist die Festschreibung einer überkommenen Strategie:
Der Einsatz von "Gift" bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Umweltschonend und umweltverträglich ist hingegen der Öko-Landbau, der auf chemisch-synthetische Spritzmittel verzichtet.
Höhere Erträge und umweltfreundlicher produzieren – dank insektenresistenter
Gen-Pflanzen?
Vielen Nutzpflanzen wie Mais werden mittels Gentechnik Bakteriengene eingebaut, damit sie für Insekten tödliche Stoffe, so genannte Bt-Toxine, nun selbst bilden können. Daher nennt man diese Gen-Pflanzen auch Bt-Pflanzen. Doch der Anbau von Bt-Mais ist keine Garantie für höhere Erträge und bringt bei geringerem bis mittlerem Befall mit Maiszünslern keine wirtschaftlichen Vorteile. Dazu kommt: Die ständige Konfrontation der Insekten mit dem Bt-Gift lässt befürchten, dass sie innerhalb weniger Jahre
resistent werden. Statt mit weniger Spritzmitteln müssten die Schädlinge dann mit anderen bzw. zusätzlichen Pestiziden bekämpft werden.
Im Öko-Landbau werden Bt-Präparate seit Jahren erfolgreich als biologische Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Im Unterschied zu den Bt-Pflanzen, die das Gift permanent bilden, werden die Bt-Präparate im Öko-Landbau nur gezielt und zeitweilig versprüht. Durch Witterungseinflüsse werden sie schnell inaktiviert und zerfallen nach kurzer Zeit in unwirksame Bruchstücke. Wenn nun durch die Einführung der Gentechnik zunehmend Resistenzen gegenüber diesem Wirkstoff ausgebildet werden, kann dieses effektive biologische Schädlingsbekämpfungsmittel für den Öko-Landbau verloren gehen. Die Anbaubedingungen für den Öko-Landbau werden durch die gentechnisch veränderten Bt-Pflanzen daher absehbar erschwert.
Das Rezept gegen Hunger und Unternährung?
Eine durch Gentechnik in Aussicht gestellte Ertragserhöhung schafft nicht die gewünschte Ernährungssicherheit. Hunger und Mangelernährung sind soziale Phänomene, für deren Lösung vorrangig soziale und politische Strategien notwendig sind. Zahlreiche nachhaltige Landwirtschaftsprojekte in Entwicklungsländern führen zu guten Erfolgen und zeigen, dass solche Projekte vom Ansatz her mehr Sinn machen als eindimensional-technische Lösungen wie die Gentechnik.
Dazu gehören Maßnahmen wie der Erhalt und die Weiterentwicklung standortangepasster Sorten und Anbaumethoden. Notwendig sind Maßnahmen, die den Gegebenheiten der jeweiligen Länder angepasst sind. So ist es bereits mit herkömmlichen Mitteln, durch Kultivierung dort heimischer Grundnahrungspflanzen, wie z. B. der Maniokwurzel oder Mango, aber auch durch gezielte Unterstützungsprojekte, Bildungsprogramme, Ernährungsberatung und politische Maßnahmen immer wieder gelungen, lokal den Anteil der Unterernährten zu senken.
Daher ist ein mehrdimensionales Verfahren notwendig, indem jeweils situationsspezifische Maßnahmen zu einer Strategie zusammengefügt werden.
Gentechnik – die Schlüsseltechnologie zur Schaffung von Arbeitsplätzen?
Gentechnik in der Lebensmittelproduktion als Beschäftigungsmotor anzusehen scheint in der heutigen Debatte um fehlende Arbeitsplätze zunächst ein willkommenes Argument. Eher ernüchternd sind jedoch die Prognosen, nach denen weltweit tendenziell eher Arbeitsplätze verloren gehen. So gilt die Gentechnik auf dem Acker als Rationalisierungstechnologie. Auch Firmenübernahmen gehen zu Lasten von Arbeitsplätzen und der Konzentrationsgrad in der Saatgutbranche ist außerordentlich hoch. Tatsächlich könnten voraussichtlich einige wenige hoch qualifizierte Arbeitsplätze z. B. in Forschungsabteilungen geschaffen werden, die jedoch die Arbeitsplatzverluste insgesamt nicht kompensieren können.
Zudem sind Technologieangebote wie die Grüne Gentechnik ohne Akzeptanz und Nachfrage zum Scheitern verurteilt und werden allein deshalb kaum nachhaltige Beschäftigungswirkung erzielen. Viel versprechender ist da eine nachfrageorientierte Lebensmittelerzeugung wie die ökologische Landwirtschaft: Hier konnten im letzten Jahrzehnt aufgrund erheblicher Umsatzzuwächse zigtausend Arbeitsplätze geschaffen werden.

